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Spitzelaffäre Razzia bei Ex-Telekom-Managern Zumwinkel und Ricke

Razzia-Serie in der Telekom-Spitzelaffäre: Die Ermittler kamen nicht nur zu Ex-Aufsichtsratschef Zumwinkel - sie nahmen sich auch Anwesen des früheren Konzernvorsitzenden Ricke in Bayern und der Schweiz vor. Die Zentrale der Deutschen Post wurde ebenfalls durchsucht.

Düsseldorf - Die Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom   holt die frühere Führungsriege ein: Das Haus des ehemaligen Konzernchefs Kai-Uwe Ricke in der Schweiz ist durchsucht worden. Dies bestätigte der Bonner Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel. Eine Razzia habe es auch im Haus von Rickes Ehefrau am bayerischen Ammersee gegeben, zudem wurde die Zentrale der Deutschen Post   in Bonn durchsucht.

Ricke (l.) und Zumwinkel (Archivaufnahme aus dem Jahre 2004): Ermittlungen gegen acht Beschuldigte

Ricke (l.) und Zumwinkel (Archivaufnahme aus dem Jahre 2004): Ermittlungen gegen acht Beschuldigte

Foto: DDP

Gegen Ricke wird in der Affäre ermittelt, ebenso wie gegen den einstigen Aufsichtsratschef der Telekom und früheren Post-Chef Klaus Zumwinkel. Auch dessen Wohnsitz am italienischen Gardasee war von Beamten durchsucht worden, ebenso seine ehemalige Villa in Köln.

Anlass der Durchsuchungen seien die "laufenden Ermittlungen", sagte Apostel, dessen Behörde federführend bei den Durchsuchungen ist. Zu Details wollte er sich nicht äußern. Im Kern ermittelt Apostel gegen acht Beschuldigte.

Die Telekom selbst hatte Mitte Mai 2008 Anzeige erstattet, um den Missbrauch von Verbindungsdaten in den Jahren 2005 und 2006 aufzuklären. Außerdem sollten der oder die Auftraggeber ermittelt werden. Die Telekom hatte massiv Mitarbeiter bespitzelt, um die Weitergabe von Interna an die Öffentlichkeit zu verhindern. Immer wieder kam der Verdacht auf, dass Zumwinkel und Ricke die Spähaktion persönlich in Auftrag gegeben haben.

Bei der Aktion auf Zumwinkels Burg Tenno oberhalb des Gardasees waren laut "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" neben italienischen auch fünf deutsche Beamte beteiligt. Zwei Computer seien unter anderem beschlagnahmt worden, hieß es. Bei der Post seien keine Unterlagen sichergestellt worden, sagte Apostel, der Konzern sei auch nicht Gegenstand des Verfahrens. Dies betonte auch eine Sprecherin der Post.

Zumwinkel war bis Februar 2008 Telekom-Aufsichtsratschef. Die Ermittler wollen klären, ob er von der massenhaften Bespitzelung bei dem Unternehmen wusste oder sie sogar in Auftrag gegeben hatte. Im Januar war Zumwinkel vom Bochumer Landgericht wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Die Staatsanwaltschaft Bonn untersucht seit Frühjahr 2008 den sogenannten Schnüffelskandal bei der Deutschen Telekom. Nach Angaben der Ermittler hat das Unternehmen die Telefonverbindungsdaten von Aufsichtsräten der Telekom, Angehörigen des Betriebsrats, Journalisten, aber auch von Dritten wie Ver.di-Chef Frank Bsirske ausgespäht, die mit dem Konzern nicht unmittelbar zu tun haben. Insgesamt ist von mindestens 55 betroffenen Personen die Rede.

wal/Reuters/ddp