Spitzelskandal Lidl soll Bußgelder in Millionenhöhe zahlen

Datenschützer mehrerer Bundesländer wollen Lidl mit Blick auf den jüngsten Abhörskandal zur Kasse bitten. Die Behörden werfen dem Discounter Bespitzelungsaktionen im Privatbereich und unzulässige Videoüberwachung vor.


Hamburg - Der Spitzelskandal bei Lidl hat finanzielle Folgen für das Unternehmen. Noch in diesem Monat wollen die Datenschutzbeauftragten mehrerer Bundesländer dem Lebensmittelkonzern nach SPIEGEL-Informationen Bußgeldbescheide in insgesamt einstelliger Millionenhöhe zuschicken.

Die Strafgelder würden wegen rechtswidriger Überwachung von Mitarbeitern durch Detektive und weiterer Verstöße gegen Datenschutzvorschriften erhoben, heißt es in Kreisen hochrangiger Datenschützer. Betroffen seien Lidl-Vertriebsgesellschaften und Filialen in mindestens acht Bundesländern, vor allem in Niedersachsen und anderen norddeutschen Regionen.

Allein die nordrhein-westfälischen Datenschützer wollen acht Bußgelder gegen Lidl verhängen, davon fünf wegen Bespitzelungsaktionen im Privatbereich, unzulässiger Videoüberwachung oder langfristiger Datenspeicherung. Die drei anderen Bußgelder seien fällig, weil Lidl es versäumt habe, wie vorgeschrieben eigene Datenschutzbeauftragte zu bestellen.

Der Skandal um Abhöraktionen bei dem nach Aldi zweitgrößten deutschen Discounter wurden im vergangenen März publik. Lidl hatte seine Mitarbeiter systematisch ausspioniert. Mit Miniaturkameras wurden die Angestellten überwacht, Gespräche in seitenlangen Protokollen notiert. Aufgezeichnet wurden Banalitäten ("Das Guthaben auf ihrem Handy beträgt nur noch 85 Cent") ebenso wie Details aus dem Privatleben ("Ihr Freundeskreis besteht größtenteils aus Drogenabhängigen").

Laut Lidl wollte man durch die Überwachung die Zahl der Diebstähle in den Filialen reduzieren. Der Konzern steht wegen der Behandlung seiner Mitarbeiter schon länger in der Kritik. Jahrelang hat sich das Unternehmen etwa gegen die Einrichtung von Betriebsräten gestemmt. Im vergangenen Jahr schaffte Ver.di immerhin einen Achtungserfolg - die Gewerkschaft setzte in fünf von bundesweit 2850 Filialen eine Arbeitnehmervertretung durch.

suc



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