Sportwagenbauer Porsche verkauft fast 30 Prozent weniger Autos

Porsche muss wegen der Wirtschaftskrise einen kräftigen Absatzeinbruch hinnehmen. Der Sportwagenbauer verkaufte im ersten Geschäftshalbjahr 26,7 Prozent weniger Autos. Dennoch steigerte das Unternehmen das Ergebnis - offenbar auch dank der fulminanten Optionsgeschäfte mit VW-Aktien.

Stuttgart - Der Sportwagenbauer Porsche bekommt die Absatzkrise der Autoindustrie deutlich zu spüren. Der Umsatz der Porsche-Holding sank im ersten Halbjahr 2008/2009 um 12,8 Prozent auf 3,04 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Montag in Stuttgart mitteilte. Der Absatz verringerte sich um 26,7 Prozent auf 34.266 Fahrzeuge. Das Ergebnis vor Steuern sei hingegen weiter gestiegen. Konkrete Angaben dazu machte der Konzern nicht. Im Vorjahreszeitraum waren es 1,34 Milliarden Euro.

Porsche-Modelle im Hafen von Emden: Veränderter Modellmix

Porsche-Modelle im Hafen von Emden: Veränderter Modellmix

Foto: AP

Das operative Ergebnis habe zwar im Rahmen der Umsatzentwicklung abgenommen. Es weise aber nach wie vor eine zweistellige Umsatzrendite auf. Hintergrund seien die positiven Effekte aus Optionsgeschäften mit VW-Aktien. Die VW-Aktie war im Herbst 2008 wegen des Einstiegs von Porsche auf ein Rekordhoch von 1005 Euro gestiegen, Volkswagen war zeitweise das teuerste Unternehmen der Welt. Porsche erzielte im Geschäftsjahr 2007/2008 den größten Teil seines Gewinns über das VW-Geschäft.

Das genaue Ergebnis für August bis Ende Januar 2009 soll mit der Vorlage des Halbjahresfinanzberichts Ende März bekanntgegeben werden, da das anteilige VW-Ergebnis des vierten Quartals 2008 den Angaben zufolge derzeit noch nicht vorliegt. Porsche   hält an Volkswagen   mittlerweile rund 51 Prozent und will seinen Anteil noch in diesem Jahr auf 75 Prozent steigern.

Die im Vergleich zum Absatz deutlich bessere Umsatzentwicklung habe ihre Ursache vor allem in einem veränderten Modellmix. Während ein höherer Anteil des gesamten Absatzes auf die Baureihe 911 entfalle, sei der Anteil der Boxster-Baureihe deutlich gesunken.

Vom 911 wurden 13.543 Fahrzeuge (im Vorjahr 16.261) abgesetzt, von den Boxster-Modellen 3950 Autos (im Vorjahr 9835). Vom Cayenne seien im ersten Halbjahr 16.773 Fahrzeugen (im Vorjahr 20.638) verkauft worden.

An der Börse wurde das Porsche-Ergebnis wohlwollend aufgenommen. Die Aktie konnte anfängliche Kursverluste nach Vorlage der Zahlen verringern. Damit haben sich die Porsche-Papiere besser gehalten als der insgesamt sehr schwache Markt. Am Vormittag notierten Porsche-Aktien 0,4 Prozent im Minus. Zum Vergleich: Der Dax   verlor rund 2,7 Prozent.

Neue Kredite über 12,5 Milliarden Euro

"Der Umsatz ist etwas besser als erwartet ausgefallen", kommentierte ein Händler. Daher erhole sich die Aktie etwas von ihren jüngsten Tiefständen. Ein anderer Händler sagte, die Zahlen läsen sich "nicht schlecht". Letztlich sei es mit Blick auf Volkswagen egal, womit Porsche Geld verdiene - "Hauptsache, es kommt Geld in die Kassen und man ist nach der Krise gut positioniert, um durchzustarten".

In der vergangenen Woche hatte es Gerüchte über mögliche Finanzierungsprobleme bei Porsche gegeben. Das Unternehmen trat den Berichten jedoch vehement entgegen. Die Verhandlungen mit den Banken über die Refinanzierung eines Zehn-Milliarden-Euro-Kredits befänden sich auf gutem Weg. "Porsche ist davon überzeugt, diese Verhandlungen vor Ende März zu einem positiven Abschluss zu bringen", teilten die Stuttgarter mit.

Laut der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" will sich Porsche den finanziellen Spielraum für die Erhöhung des VW-Anteils mit einem neuen Kredit sichern. Nachdem der Zehn-Milliarden-Euro-Kredit Ende März ausläuft, soll der neue nun 12,5 Milliarden Euro umfassen. Ein Unternehmenssprecher bestätigte die Informationen. Dem Bericht zufolge übernimmt die britische Bank Barclays   die Führung des neuen Kreditkonsortiums, darüber hinaus seien die Schweizer UBS   und die Stuttgarter LBBW an der Finanzierung beteiligt.

kaz/wal/AP/dpa/Reuters
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