Sprengstoff-Protest Franzosen pressen Arbeitgeber höhere Abfindung ab

Bizarre Verhandlungen in Frankreich: Arbeiter des Autozulieferer New Fabris erhalten von ihrer Firma eine höhere Abfindung - als Gegenleistung sprengen sie ihr eigenes Werk nicht wie angedroht in die Luft. Lakonischer Kommentar des Innenministeriums: "Der soziale Dialog hat gewonnen."


Châtellerault - Entwarnung beim französischen Autozulieferer New Fabris: Die Belegschaft hat am Freitag mit großer Mehrheit beschlossen, von der angedrohten Sprengung ihres Werkes abzusehen. Gewerkschaftsvertreter Guy Eyermann im südwestfranzösischen Châtellerault forderte von den Gegnern des Beschlusses, die Minderheit solle das Abstimmungsergebnis achten.

Protestierende New-Fabris-Beschäftigte: Zugespitzter Arbeitskampf
AP

Protestierende New-Fabris-Beschäftigte: Zugespitzter Arbeitskampf

Industrieminister Christian Estrosi sprach von einer "klugen Entscheidung". "Der soziale Dialog hat gewonnen", erklärte er nach der Abstimmung bei dem Zulieferer, bei dem die Bänder seit Wochen stillstehen und 366 Beschäftigte ihre Arbeit verloren haben. Die Belegschaft könne nun "mit größtmöglichen Garantien" in die Zukunft gehen.

Zusätzlich zur gesetzlichen Abfindung bekomme jeder eine Entschädigungszahlung von 12.000 Euro auf die Hand, sagte Estrosi. Damit gingen die Arbeiter mit "durchschnittlich 29.500 bis 31.000 Euro" nach Hause, je nachdem, wie lange sie für New Fabris gearbeitet hatten. Außerdem bekämen sie ein Jahr lang 95 Prozent ihres derzeitigen Lohnes fortgezahlt, wenn sie einen Umschulungsvertrag unterschrieben.

Das Industrieministerium war kurz vor der Belegschaftsversammlung auf die Arbeiter zugegangen und hatte ihnen 12.000 Euro netto statt 11.000 Euro brutto angeboten, um den Jobverlust abzufedern.

Die Arbeiter hatten von den beiden ehemaligen Hauptkunden Renault und PSA Peugeot Citroën eine Entschädigung in Höhe von 30.000 Euro gefordert und gedroht, anderenfalls das Werk in die Luft zu sprengen. "Niemand wird das Risiko eingehen, dafür 15 Jahre in den Knast zu wandern", hatte Gewerkschafter Eyermann am Donnerstag nach einer Kundgebung gesagt, wie "Le Parisien" berichtete.

Die Drohung bei New Fabris hatte in den vergangenen Wochen prompt Nachahmer gefunden. Beim Hebebühnenhersteller JLG und beim Netzwerkausrüster Nortel konnten die Arbeiter ebenfalls höhere Entlassungsabfindungen durchsetzen, indem sie zur Drohung Gasflaschen aufstellten und mit der Sprengung von Firmeneigentum drohten.

ssu/AFP/AP



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