Springer-Aktien Gefechte zwischen Kirchs Gläubigerbanken

Mehrere Gläubiger Leo Kirchs wollen offenbar den Plan der Deutschen Bank vereiteln, Kirchs Springer-Aktien an der Börse zu platzieren. Einer der größten Börsengänge des Jahres steht damit auf der Kippe.


Axel-Springer-Hochhaus in Berlin: Leo Kirchs Springer-Aktien waren schon immer für einen Streit gut
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Axel-Springer-Hochhaus in Berlin: Leo Kirchs Springer-Aktien waren schon immer für einen Streit gut

Frankfurt am Main - Wieder einmal sorgen die Springer-Anteile für Krach zwischen dem Branchenprimus Deutsche Bank und seinen Konkurrenten. Dieses Mal stehen einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge die Bayerische Landesbank, JP Morgan und Lehman Brothers im Lager der Gegner.

Das Trio wolle mit einer einstweiligen Verfügungen verhindern, dass die Deutsche Bank den 40-prozentigen Anteil am Axel Springer Verlag, den bisher Leo Kirch hielt, im Herbst an die Börse bringt. In der Deutschen Bank sei davon die Rede, dass die Chancen auf einen Erfolg der Platzierung nun auf 50 Prozent gesunken seien. Offiziell bestätigte keine der genannten Banken den Bericht.

Zu wenig Geld für zu viele Gläubiger

Das zwischen den Banken ein Interessenkonflikt besteht, ist gleichwohl offenkundig. Der Deutschen Bank dient das Springer-Paket als erstrangige Sicherheit für einen Kirch-Kredit über 720 Millionen Euro, den das Institut Ende der neunziger Jahre von der Bankgesellschaft Berlin übernommen hat. Da der Kurswert der Springer-Aktien von früher zwei Milliarden auf nun rund 800 Millionen gefallen ist, wünscht die Deutsche Bank offenbar eine rasche Börsenplatzierung. Denn dem Bericht zufolge fürchtet sie, dass der Aktienwert bei einer Verzögerung des Börsenganges weiter fallen und womöglich die Summe von 720 Millionen unterschreiten werde. Ein Anlass für diese Sorge ist die Flaute auf dem Werbemarkt, die Springer schwer zusetzt.

Die Bayerische Landesbank, Lehman Brothers und JP Morgan wiederum haben die Springer-Aktien als eine nachrangige Sicherheit für einen 1,6 Milliarden-Euro-Kredit akzeptiert, mit dem Leo Kirch den Kauf der Formel-1-Rechte finanziert hat. Das bedeutet, dass die Deutsche Bank sich bei einer Börsenplatzierung zuerst bedienen könnte - und für die drei Konkurrenten nach heutigem Stand gerade einmal 80 Millionen Euro übrig blieben. Wenn es den drei Banken gelingen würde, den Börsengang langfristig aufzuschieben, so offenbar das Kalkül, könnte sich der Kurs der Springer-Aktien erholen.

Das Hickhack um die Springer-Aktien ist nicht neu: Nachdem die Finanznot der KirchGruppe sich zugespitzt hatte, hatte zunächst die HypoVereinsbank Interesse am Kauf der Aktien bekundet, später stieß die Dresdner Bank dazu. Auch die Commerzbank hatte versucht, einen Käufer für die Anteile zu finden, war damit aber erfolglos geblieben.



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