Springer-Hauptversammlung Kirch setzt Sonderprüfung des Vorstands durch

Der Machtkampf im Hause Springer nimmt kein Ende. Noch-Großaktionär Leo Kirch setzte auf einer außerordentlichen Hauptversammlung durch, dass die Aktivitäten der Geschäftsführung rund um Vorstandschef Mathias Döpfner einer Sonderprüfung unterzogen werden. Kirch wirft dem jungen Konzern-Boss geschäftsschädigendes Verhalten vor.


Der Machtkampf im Hause Springer nimmt kein Ende. Noch-Großaktionär Leo Kirch setzte auf einer außerordentlichen Hauptversammlung durch, dass die Aktivitäten der Geschäftsführung rund um Vorstandschef Mathias Döpfner einer Sonderprüfung unterzogen werden. Kirch wirft dem jungen Konzern-Boss geschäftsschädigendes Verhalten vor.

Das Band ist zerschnitten: Friede Springer und Medienmogul Kirch
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Das Band ist zerschnitten: Friede Springer und Medienmogul Kirch

Berlin/München - Das Verlagshaus wird - wie von Kirch gefordert - die Geschäfte des vergangenen Jahres noch einmal von unabhängiger Seite überprüfen lassen. Kirch erwartet dabei die Bestätigung seines Vorwurfs, dass das Springer-Management gravierende Fehler zu seinen Lasten begangen habe und seine Schadenersatzforderung deshalb gerechtfertigt sei. Allerdings setzten Kleinaktionäre durch, dass auch Kirchs Rolle unter die Lupe genommen werden soll.

Kirchs konkreter Vorwurf: Mehrheitsaktionärin Friede Springer habe gemeinsam mit Döpfner die Insolvenz seiner Mediengruppe betrieben. Im Mittelpunkt steht dabei der vom Verlag geforderte Rückkauf durch Kirch von Springer-Anteilen an der ProSiebenSat.1 Media AG in Höhe von 767 Millionen Euro.

Döpfner wies die Vorwürfe zurück. Er sehe den Forderungen Kirchs nach einer Sonderprüfung sowie nach Schadensersatz gelassen entgegen. Der Versuch, während einer Unterbrechung der Hauptversammlung eine einvernehmliche Einigung zu erzielen, gelang nicht. Er habe zu keinem Ergebnis geführt, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Giuseppe Vita nach der Sitzungspause.

Kirchs Anwalt Ronald Frohne bezichtigte die Verlegerwitwe, den finanziellen Druck auf die angeschlagene KirchGruppe erhöht zu haben, um damit an Anteile des 40-Prozent-Aktienpakets zu gelangen, das der Medienunternehmer am Axel Springer Verlag Chart zeigen hält. Mit der Ausübung einer Verkaufsoption für die 11,5 Prozent, die Springer wiederum an der Kirch-Tochter ProSiebenSat.1 Chart zeigen besitzt, habe der Verlag Kirchs Zahlungsschwierigkeiten verschärft. Damit habe der Vorstand unter Einfluss von Friede Springer dem Verlag selber schweren Schaden zugefügt.

"Es geht nicht um einen Rachefeldzug des Leo Kirch", sagte Frohne. Kleinaktionäre forderten dennoch, Kirch solle sein Mandat als Aufsichtsrat zurückziehen. Vergeblich. Da Friede Springer als Mehrheitsaktionärin und Betroffene nicht mit stimmen durfte, konnte sich Kirch, der neben der Witwe in den Reihen der Aufsichtsräte saß, durchsetzen.

Nach Frohnes Angaben hatte Springer ein früheres Angebot von Kirch abgelehnt, 16 Prozent an der Senderfamilie zu erwerben. Stattdessen habe Döpfner auf Anweisung von Friede Springer Ende 2001 auf der Verkaufsoption der Springer-Anteile beharrt. Angesichts der Kirch-Krise sei dieses Paket, damals auf 767 Millionen Euro bewertet, heute praktisch wertlos, sagte Frohne. Springer drohe nun der Totalverlust dieser Forderung.

Döpfner sagte, die Ausübung der Verkaufsoption sei unausweichlich gewesen, um angesichts der drohenden Kirch-Krise wirtschaftlichen Schaden von Springer abzuwenden. Die von Kirch vorgeschlagene Umwandlung der Forderung in eine Beteiligung an den TV-Sendern habe Springer ablehnen müssen. "Andere Aktionäre haben sich auf solche oder ähnliche Umwandlungs-Modelle eingelassen. Sie haben heute, nach der Insolvenz der KirchMedia, alles verloren", sagte Döpfner.

Trotz des schwierigen Konjunktur- und Branchenumfeldes habe Springer einen Überschuss nach Steuern und Abschreibungen von 72 Millionen Euro erzielt, sagte Döpfner. Dies sei gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs um 58 Millionen Euro. Das operative Ergebnis sei um acht Millionen auf 42 Millionen Euro gestiegen.

Das 40-Prozent-Paket von Kirch an Springer war nach einem Gerichtsurteil am Freitag an die Deutsche Bank gefallen. Bislang hat diese nach Informationen aus Kirch-Kreisen aber nicht auf die Aktien zugegriffen. Kirch hoffe noch immer darauf, das Paket selbst an den Schweizer Ringier-Verlag verkaufen zu können. Dies hänge aber davon ab, ob sich Springer und Ringier einig würden. Als Kaufpreis für die Beteiligung sind 800 Millionen Euro bis eine Milliarde Euro im Gespräch.



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