Springer-Paket Deutschbanker zerlegen die Beute

Die Phantomveranstaltung war schnell zu Ende. Bei der Versteigerung von Kirchs Springer-Anteil gab es nur einen Bieter - die Deutsche Bank. Ein Teil des Aktienpakets soll an Verlegerwitwe Friede Springer gehen.


AP

Frankfurt am Main/München - Es war keine Versteigerung. Nach wenigen Minuten erteilte der zuständige Notar Karl-Heinz Schmiegelt der Bank den Zuschlag für insgesamt gut 13,6 Millionen Springer-Aktien zum Kaufpreis von 667,277 Millionen Euro. Das Mindestgebot lag damit exakt beim Kassakurs vom Dienstag in Höhe von 49,00 Euro je Aktie.

Als Eigentümer der Beteiligung kann die Deutschen Bank das Aktienpaket, das bereits an sie verpfändet war, jetzt ohne Zeitdruck verwerten. Es droht nun weder eine Zwangsversteigerung oder längere Rechtsstreitigkeiten mit nachrangigen Kirch-Gläubigern.

Die Deutsche Bank will zudem bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) beantragen, dass es für ihre vorübergehende Finanzbeteiligung den Springer-Aktionären kein Übernahmeangebot machen muss. Dazu ist ein Käufer normalerweise gesetzlich verpflichtet, sobald er 30 Prozent der Anteile erwirbt. Die Bank verzichtet auch auf das Stimmrecht für die erworbenen Aktien.

Wie ein Sprecher des Kreditinstituts bestätigte, will die Deutsche Bank zehn Prozent am Springer-Verlag an die Verlegerwitwe Friede Springer weiterveräußern, die ihren Anteil damit auf rund 60 Prozent aufstockt. Nach Angaben des Sprechers werden entsprechende Gespräche bereits geführt. Sollten attraktive Angebote vorliegen, wolle sich die Bank auch von den anderen Springer-Aktien trennen. "Das ist für uns eindeutig eine vorübergehende Finanzbeteiligung", sagte der Sprecher.

Zu Beginn der Veranstaltung war die Abwicklung der Formalitäten schnell erledigt. Insbesondere die Registrierung der Bieter: Der Aufforderung des Notars, Bonitätsnachweise vor der Feststellung des Mindestgebots abzuliefern, folgte lediglich der Vertreter der Deutschen Bank.

Dabei hätte sich für schnell Entschlossene noch die Möglichkeit geboten, ihren Hut in den Ring zu werfen. Denn der Beginn der Veranstaltung hatte sich verzögert, weil es die Organisatoren der Deutschen Bank versäumt hatten, bei der Gestaltung des Terminkalenders die Gesetzeslage zu berücksichtigen. Danach gilt bei Versteigerungen dieser Art der Kassakurs als Mindestgebot. Der aber wurde erst um 12 Uhr festgelegt. Erst danach konnte das erste - und einzige - Gebot abgegeben werden.

Mit dem Kauf des Springer-Pakets haben Bank und Springer-Management zumindest ein Ziel erreicht: Das Paket, das sich Kirch mühevoll und teils heimlich zusammengekauft hat, ist dem Machtkreis des Medien-Pleitiers entzogen. Das liegt vor allem im Interesse des Springer-Verlages, der den Großaktionär aus München nie leiden konnte und seinen Einstieg anfangs zu blockieren versuchte.

"Nach Wochen und Monaten der Störmanöver von Leo Kirch herrscht in unserem Haus eine gewisse Erleichterung, dass es vorbei ist", sagte eine Springer-Sprecherin im Anschluss an die Versteigerung. Mit der Deutschen Bank als Partner könne der Verlag nun in konstruktiver Atmosphäre nach einem Käufer für den verbleibenden 30-Prozent-Anteil suchen.

Sollte Friede Springer ihren Anteil tatsächlich auf 60 Prozent aufstocken, dürfte der Kreis der möglichen weiteren Interessenten klein werden.Der Essener WAZ-Konzern ist bereits aus dem Rennen, weil ihn die Verlegerwitwe bereits offen als Großaktionär abgelehnt hat. Der Schweizer Konzern Ringier ist zwar grundsätzlich interessiert, strebt aber im Hause Springer nach mehr Macht als es Friede Springer lieb ist.

Der ungewöhnliche Schritt der Deutschen Bank, das Paket zu versteigern, wurde in Finanzkreisen als Verzweiflungstat und Affentheater bezeichnet. Eine Beteiligung an Europas größtem Zeitungshaus zu versteigern, habe kein Niveau, wird in Kreisen kritisiert. Denn der deutsche Branchenprimus hätte das Pfandrecht auch ohne Versteigerung ausüben und sich auf diese Weise den Springer-Anteil für einen späteren Weiterverkauf ins Haus holen können.

Ein von mehreren Branchenkennern erwarteter Insolvenzantrag der PrintBeteiligung GmbH, mit der Kirch die Versteigerung des Paketes durch die Deutsche Bank hätte verzögern können, wurde am Montag nach Angaben des Münchner Amtsgerichts nicht gestellt. Die PrintBeteiligung ist bislang Eigentümer der Aktien. Nach einem langen Rechtsstreit hatte die Deutsche Bank Ende September grünes Licht erhalten, das Aktienpaket zu verwerten.

In Justizkreisen hieß es, Kirch hätte mit Rechtsmitteln praktische keine Chance mehr gehabt, die Auktion zu verhindern. Allenfalls könnten sich für Kirch noch Ansprüche auf Schadenersatz ergeben.



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