Staatliches Ölunternehmen Mexikaner demonstrieren gegen Privatisierung von Pemex

Sie halten nichts vom Ausverkauf: In Mexiko haben mehr als 10.000 Menschen gegen die Privatisierung des staatlichen Ölkonzerns Pemex demonstriert. Der Konzern braucht allerdings dringend neues Kapital - sonst droht der Stopp der Ölförderung.


Mexiko-Stadt - Die Frage nach dem Öl ist überlebenswichtig - und kaum ein Thema erhitzt die Mexikaner derzeit mehr: In Mexiko-Stadt demonstrierten am Dienstag mehr als 10.000 Menschen gegen die Privatisierung der staatlichen Ölgesellschaft Pemex. "Wir wehren uns gegen die Privatisierung, weil sie den ausländischen Konzernen die Pforten öffnet", sagte Oppositionsführer Manuel López Obrador von der Partei der Demokratischen Revolution (PRD).

Proteste gegen Privatisierung: Mexikaner halten nichts vom Ausverkauf des Ölkonzerns Pemex
AP

Proteste gegen Privatisierung: Mexikaner halten nichts vom Ausverkauf des Ölkonzerns Pemex

Seit Monaten diskutieren die Mexikaner über die Zukunft des staatlichen Ölkonzerns, der in der letzten Zeit einen deutlichen Rückgang der Ölförderung verzeichnete. Gleichzeitig ist der Konzern, der sich seit der Enteignung britischer und US-amerikanischer Erdölkonzerne im Jahr 1938 in staatlichem Besitz befindet, stark verschuldet. Präsident Felipe Calderón bereitet deshalb eine Reform des Konzerns vor, die vor allem eine Kapitalöffnung beinhaltet. Er versichert aber immer wieder, dass das Unternehmen in Staatsbesitz bleiben solle.

Öl könnte in zehn Jahren versiegen

Schätzungen zufolge verfügt Mexiko als sechstgrößter Rohölproduzent über gut 15 Milliarden Barrel Öl, die bei entsprechenden Investitionen erschlossen werden könnten. Das würde die Ölförderung auf 30 Jahre hinaus sicherstellen. Nach amtlichen Angaben werden die Vorkommen von Cantarell, der größten Ölquelle, bereits in weniger als zehn Jahren versiegen. Allerdings fehlen Pemex für neue Investitionen die Finanzmittel und auch die Technologie, die für tiefere Bohrungen im Golf von Mexiko erforderlich ist.

Aus Sicht der OECD muss der Staatskonzern allerdings dringend modernisiert werden: Corporate Governance, Führungsstrukturen und Management müssten nach dem Vorbild moderner privater Konzerne umgebaut werden, hieß es kürzlich in einer Studie. Nur so könne die beständige Abnahme der Fördermenge gestoppt werden.

Dabei ist für Mexiko eine effizient produzierende Pemex wichtig, da der Staatshaushalt auch trotz der letzten Steuerreform noch relativ stark von den Einnahmen aus dem Erdölgeschäft abhängt. Die Autoren der OECD-Studie fordern allerdings keine Privatisierung oder weitgehende Öffnung des Erdölsektors, sondern deuten nur an, dass Mexiko langfristig wohl nicht um eine Beteiligung privater Unternehmen an Pemex herumkommt.

sam/AFP



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