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Sowjetbank »Stabilität ist die Basis des Geschäfts«

aus DER SPIEGEL 47/1971

SPIEGEL: Die Ost-West-Handelsbank ist die vierte sowjetische Bank in Westeuropa. Selbständige größere Kreditinstitute außerhalb Europas unterhält Ihr Land dagegen nicht. Wie sieht die globale Bankstrategie der Sowjet-Union aus?

DUBONOSSOW: Der Schwerpunkt bleibt weiterhin in Europa, weil wir hier die meisten Geschäfte machen. Es ist jedoch beabsichtigt, in den nächsten Tagen auch eine Niederlassung der Narodny-Bank in Singapur zu eröffnen. Weitere Pläne stehen vorläufig nicht zur Diskussion.

SPIEGEL: Warum hat es überhaupt so lange gedauert, bis Sie nach Westdeutschland kamen, obgleich die Bundesrepublik immer zu den bedeutendsten westlichen Handelspartnern Ihres Landes zählte?

DUBONOSSOW: Nun, wir haben es bereits 1960/61 versucht. Ich kam damals hierher mit der Absicht, die Möglichkeiten für eine Bankgründung zu untersuchen. Wir hatten sogar schon einen einheimischen Anwalt, der sich darum kümmerte. Doch man teilte uns mit: Die Behörden machen nicht mit.

SPIEGEL: Wenn es nach Ihnen gegangen wäre, wäre also diese Bank in Frankfurt schon viel früher gegründet worden?

DUBONOSSOW: Ja. bereits Anfang der 60er Jahre.

SPIEGEL: Was erwarten Sie nun an Neuerungen innerhalb der deutsch-sowjetischen Finanz- und Handelsbeziehungen?

DUBONOSSOW: Keine revolutionären Veränderungen -- wir erwarten ein stetiges Wachstum des internationalen Ost-West-Handels, und daran werden wir uns als Finanziers beteiligen. Was die deutschen Banken betrifft, können wir uns natürlich nicht vorstellen, ohne Zusammenarbeit mit ihnen erfolgreich voranzukommen.

SPIEGEL: Es hat Spekulationen darüber gegeben, daß die Ost-West-Handelsbank künftig auch eigene Anleihen ausgeben wird. Sind diese Spekulationen richtig?

DUBONOSSOW: Diese Spekulationen entbehren jeder Grundlage. Zur Zeit denken wir überhaupt nicht daran.

SPIEGEL: Zur Zeit?

DUBONOSSOW: Na ja, zur Zeit. In drei bis vier Jahren kann sich das ändern.

SPIEGEL: Werden Sie öffentliche Anleihen in Westdeutschland kaufen, wie Sie es in England getan haben?

DUBONOSSOW: Ja, wenn wir Geld übrig haben, werden wir es sicherlich auch darin anlegen.

SPIEGEL: Werden Sie für Kredite an deutsche Osthändler eine Hermes-Garantie des Bundes verlangen?

DUBONOSSOW: Nein, gewöhnlich werden wir keine staatlichen Absicherungen durch das Hermes-Institut oder andere staatliche Versicherungen verlangen. Wir vergeben Kredite ohne solche Garantien.

SPIEGEL: Anders also als die deutschen Banken?

DUBONOSSOW: Ja, vorausgesetzt, das Geschäft' wird mit sozialistischen Ländern abgewickelt.

SPIEGEL: Sind die Gewinne der Sowjet-Banken in Westeuropa bisher immer nach Moskau transferiert worden?

DUBONOSSOW: Manchmal haben wir Dividenden ausgeschüttet. Aber wesentliche Teile des Profits sind benutzt worden, die Kapitalausstattung der einzelnen Banken aufzustocken.

SPIEGEL: Wieweit werden die Geschäfte der sowjetischen West-Banken von der Währungskrise beeinträchtigt?

DUBONOSSOW: Die Instabilität im westlichen Währungssystem hat dieselben negativen Auswirkungen auf die Geschäfte der Sowjet-Banken wie auf jedes andere Geldinstitut, das hier arbeitet.

SPIEGEL: Das bedeutet, daß Ihnen die Stabilität des westlichen Währungssystems am Herzen liegt?

DUBONOSSOW: Gewiß, gewiß. Stabilität ist unsere Basis für ein gesundes Geschäft.

SPIEGEL: Bringt Sie dies als sowjetischen Banker nicht in einen gewissen Konflikt? Sie machen sich Sorgen um ein System, das sie innerlich ablehnen.

DUBONOSSOW: Sorgen mache ich mir nicht. Meine Haltung deckt sich mit der Haltung meines Landes: Im Zusammenhang mit der Politik der Koexistenz kommt der westlichen Stabilität für uns große Bedeutung zu.

SPIEGEL: Wie stehen Sie -- als Sowjetbanker im Kapitalismus -- Zu den Lehren Lenins, der die Zerstörung der bürgerlichen Wirtschaft von der Vernichtung ihres Zahlungssystems abhängig machte?

DUBONOSSOW: Man sollte nicht einzelne Lenin-Zitate ohne Zusammenhang zitieren. Das führt vom Thema ab.

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