Klage wegen Diskriminierung Londoner Bankangestellte siegt in "Hexenhut"-Verfahren

Sie verdiente weniger als ihre männlichen Kollegen, von Vorgesetzten wurde sie erniedrigt, auf ihrem Schreibtisch lag ein Hexenhut: Eine Londoner Bankangestellte hat ihren Arbeitgeber verklagt - und nun recht bekommen.

Logo von BNP Paribas: Die Bank wollte sich bisher zu der Entscheidung des Londoner Arbeitsgerichts nicht äußern
Charles Platiau/ REUTERS

Logo von BNP Paribas: Die Bank wollte sich bisher zu der Entscheidung des Londoner Arbeitsgerichts nicht äußern


Stacey Macken hatte genug. Als sie 2013 im Londoner Büro der Bank BNP Paribas angestellt wurde, bekam sie ein Gehalt von jährlich 120.000 Pfund. Nur wenige Monate später wurde ein Mann in der gleichen Position und mit dem gleichen Aufgabenprofil eingestellt - er bekam allerdings 160.000 Pfund im Jahr. Derselbe Mitarbeiter erhielt zudem über einen Fünf-Jahres-Zeitraum Bonuszahlungen in Höhe von 237.000 Pfund; Macken kam in derselben Zeit auf 33.000 Pfund.

Die ungleiche Bezahlung ist nur einer der Gründe, die Macken in ihrer Klage gegen ihren Arbeitgeber anführte. Hinzu kamen unter anderem Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts sowie Belästigung am Arbeitsplatz. Nun hat ein Arbeitsgericht in London ihrer Klage in wichtigen Punkten stattgegeben.

Den Gerichtsunterlagen zufolge musste Macken sich im Büro häufig herablassende Kommentare anhören. Einer ihrer Vorgesetzten unterbrach sie demnach so oft mit den Worten "Nicht jetzt, Stacey", dass ihre Kollegen die Phrase übernahmen und sie damit aufzogen. Ein anderer Vorgesetzter berichtete Macken den Unterlagen zufolge von den Sex-Abenteuern eines Bekannten und begrüßte Freunde am Telefon schon mal mit den Worten "Hey Sexy" oder "Hey Fuckface".

Im Oktober 2013 - also kurz nachdem sie bei der Bank anfing - fand Macken außerdem einen schwarzen Hexenhut auf ihrem Schreibtisch. Eine Zeugin gab vor dem Arbeitsgericht an, Macken sei darüber bestürzt gewesen; sie habe sich in einem hauptsächlich männlichen Arbeitsumfeld zunehmend unwohl gefühlt. Laut der Zeugin waren es wohl betrunkene Kollegen gewesen, die den Hut als eine Art Scherz auf dem Tisch platziert hatten.

Es ging um vier Millionen Pfund

Das Arbeitsgericht gab Macken nun in mehreren Punkten recht, dabei ging es um die unfaire Bezahlung, Diskriminierung und Schikane. Die Vorwürfe der Belästigung wurden hingegen zurückgewiesen. In der Begründung heißt es zum Beispiel über die Hut-Episode: "In einem überwiegend männlichen Arbeitsumfeld einen Hexenhut auf dem Schreibtisch einer Arbeitnehmerin liegen zu lassen, war eine von Natur aus sexistische Handlung, die möglicherweise das Arbeitsumfeld für die Klägerin widerspiegelt."

Macken hatte ihren Arbeitgeber Medienberichten zufolge auf vier Millionen Pfund verklagt; laut "Guardian" ist sie dort noch immer angestellt. Es sei unklar, wie viel Geld sie nach dem Urteil nun womöglich erhält. BNP Paribas habe den Fall nicht kommentieren wollen.

aar



insgesamt 16 Beiträge
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sebastian_lemieux 12.09.2019
1. Hoffentlich klagen auch Männer!
Ich wünschte, auch mehr Männer würden in weiblich dominierten Bereichen gegen alles und jeden klagen. Dort müssen sich Männer noch deutlich schlimmeres bieten lassen und sich dann noch von Chefinnen anhören sie sollten es "wie ein Mann nehmen". Ganz zu schweigen davon, dass sich der gesamt Gleichstellungsapparat ausschließlich auf Frauen fokussiert. Dass sich Männer in weiblich dominierten Bereichen genauso unwohl fühlen und sich einiges gefallen lassen müssen, scheint mal wieder keiner mitzukriegen.
s1122 12.09.2019
2. Banker...
... unmoralisch durch und durch, es ist so widerlich. Klar kommt es auch anderswo vor, aber gehäuft in Berufen, in denen unmoralische Menschen zusammenkommen. Da gibt es ja einige...
vothka 12.09.2019
3.
Falls man sich mal wieder wundert warum "moderne Frauen" nicht eingestellt werden findet man die antwort hier. Ich seh im Artikel - außer den Hexenhut - gar nichts was mit ihr zu tun hat. Niedrigeres Gehalt ist in diesen Gehaltsklassen keine Diskriminierung sondern schlicht schlecht verhandelt. "ein Kollege begrüßte FREUNDE am Telefon mit XXX" -> also nicht sie.... die Freunde werden schon wissen wie es gemeint ist. Dass sie als Hexe bezeichnet wird wenn die Fremdempörung da mit ihr durchgeht kann ich nachvollziehen
wortmacht 12.09.2019
4.
Die ungleiche Bezahlung ist eine Frechheit. Der Rest ist albern an den Haaren herbeigezogen, wohl um den Vergleich zu steigern. Lächerlich was jetzt Diskriminierung sein soll. Für die Dame ist Heimarbeit wohl das Beste.
agt69 12.09.2019
5. Gehalt ist Verhandlungssache
Das Gehalt ist der einzige Punkt, in dem ich der Dame nicht recht gebe. Das Gehalt verhandelt man mit seinem Vorgesetzten und da muss man eben manchmal auch hart dafür kämpfen. Zur Not muss man drohen, dass man geht, wenn man die gewünschte Summe nicht erhält. All die anderen Punkte - zum Beispiel, dass sie von einem Vorgesetzten mit "Hi Fuckface" angeredet wird - zeigen deutlich, was für ein verkommenes Pack sich mittlerweile in den Banken angesammelt hat. Noch vor einer Generation waren Banker der Inbegriff der Seriosität. Das waren ja schließlich die Leute, denen wir unser Geld anvertraut haben. Mittlerweile sind - vor allem die Investmentbanken - voll von gewissenlosen Gestalten, die nichts als ihre eigenen Boni im Kopf haben, die saufen und Drogen nehmen. Solche Leute hätten vor 40 Jahren noch nicht einmal eine Stelle als Pförtner bei einer Bank bekommen. Wirklich traurig, wie ein so wichtiger Berufsstand so vor die Hunde gehen konnte. Ich hoffe, dass die Sache richtig teuer für BNP wird. Vielleicht lernen sie dann, bei der Personalauswahl wieder andere Kriterien anzulegen.
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