Stahlfusion Arcelor öffnet erstmals Tür für Mittal-Offerte

Die bisher strikt abgelehnte Übernahme von Arcelor durch den Stahlgiganten Mittal Steel kommt in Fahrt. Nachdem die Luxemburger das Milliardenangebot bisher blockiert hatten, wolle man nun die Mittal-Offerte prüfen, hieß es heute.


Luxemburg – Arcelor sei bereit, den Geschäftsplan von Mittal zu prüfen, sagte Arcelor-Verwaltungsratschef Joseph Kinsch am Abend nach der Sitzung des Gremiums der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. Mittal hatte am Freitag das Angebot um rund ein Drittel auf etwa 26 Milliarden Euro aufgestockt.

Mittal-Stahlproduktion: Nachgebessertes Angebot wird geprüft
AP

Mittal-Stahlproduktion: Nachgebessertes Angebot wird geprüft

Bei einer Fusion würde ein Stahlkonzern mit einem Börsenwert von rund 31 Milliarden Euro entstehen, der für zehn Prozent der weltweiten Stahlproduktion verantwortlich wäre. Bei dem gemeinsamen Unternehmen würden 320.000 Menschen arbeiten.

Auch für den deutschen Stahlkonzern Thyssen-Krupp könnte eine Übernahme von Vorteil sein: ThyssenKrupp Chart zeigenund Mittal Chart zeigenhaben vereinbart, dass der größte deutsche Stahlkonzern die zu Arcelor gehörende Dofasco bekommt, falls Mittal die Übernahme der Luxemburger Arcelor Chart zeigengelingt.

Am Samstag hatte es noch aus dem Umfeld des Arcelor-Konzerns geheißen, Arcelor sei weiter der Auffassung, ein Zusammengehen der beiden Unternehmen sei kein "überzeugender Vorschlag". Seit Monaten versucht Arcelor die Aktionäre zu überzeugen, den Angeboten Mittals nicht nachzugeben.

Mittal-Steel-Chef Lakshmi Mittal zeigte sich hingegen überzeugt, dass mit den Nachbesserungen die Erfolgsaussichten für eine Übernahme deutlich gestiegen seien. Mittal hatte am Freitag sein Angebot kräftig nachgebessert und reagierte damit umgehend auf Kritik von Investoren, die das am Donnerstag vorgelegte Kaufangebot als unzureichend abgelehnt hatten. Der weitgehend in Familienbesitz befindliche Mittal-Konzern kündigte zudem deutliche Verbesserungen bei den Aktionärsrechten an: Demnach wird es für die Eignerfamilie bei Mittal keine Sonderstimmrechte mehr geben. Diese würde nach der Übernahme auch keine Mehrheit an dem fusionierten Konzern mehr haben und nur noch rund 45 Prozent halten.

Als weiteres Zugeständnis bot Mittal an, den Unternehmenssitz nach Luxemburg zu verlegen, wo Arcelor seine Zentrale hat. Damit zielt Mittal nicht nur auf die Widerstände in der Arcelor-Führung, sondern auch auf dessen größten Einzelaktionär, das Großherzogtum Luxemburg, das 5,6 Prozent hält.

reh/reuters/AFP



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