Stahlhändler Klöckner Verpatzter Börsenstart

Einer der größten Börsengänge dieses Jahres enttäuschte: Zum ersten Handelstag ist der Aktienkurs des Stahlhändlers Klöckner bis zu sieben Prozent unter den Ausgabepreis gerutscht.


Frankfurt am Main - Aktien von Klöckner & Co (KlöCo) haben heute einen schwachen Start an der Börse hingelegt. In einem schwachen Marktumfeld gingen die Aktien an der Frankfurter Wertpapierbörse mit einem ersten Kurs von 15 Euro und damit einen Euro unter dem Ausgabepreis in den Handel. Während der ersten Handelsstunden verlor der Wert um bis zu sieben Prozent.

Klöckner & Co (in Duisburg): Schwacher Start auf Börsenparkett
DDP

Klöckner & Co (in Duisburg): Schwacher Start auf Börsenparkett

"Das ist ein enttäuschender Start, und dabei soll das Papier doch überzeichnet gewesen sein", sagte Sören Steinert, Händler bei der Wertpapierhandelsbank Close Brothers Seydler. Ein anderer Marktteilnehmer wunderte sich, dass die Titel bereits einen Euro unter dem Ausgabepreis starteten. Bei dem hochklassigen Konsortium aus UBS, Deutscher Bank und JP Morgan sei er ursprünglich davon ausgegangen, dass der Ausgabepreis so gewählt worden wäre, dass man ihn am Markt hätte halten können. "Da müssen einige Stücke an sehr kurzfristig orientierte Investoren gegangen sein", sagte der Börsianer.

Das Klima für Börsenneulinge hat sich nach den jüngsten Kursverluste an den Aktienmärkten in den vergangenen Wochen deutlich eingetrübt. "Börsengänge in dem derzeitigen Marktumfeld sind nicht leicht", räumte ein Investmentbanker ein. Hatten im Frühjahr noch viele Investoren Heißhunger auf Börsenneulinge, so scheuen sie nun zunehmend das Risiko, das eine Erstemission mit sich bringt. Dies hatte vergangene Woche auch der Kranhersteller Demag Cranes erfahren, der erst nach einer Preissenkung genügend Nachfrage nach seinen Aktien entfachen konnte und den Sprung an die Börse schaffte.

"Ich bin erst einmal sehr zufrieden, dass wir den Börsengang geschafft haben", sagte KlöCo-Vorstandschef Thomas Ludwig den Einstand am Aktienmarkt. "Wir sind nicht wegen des ersten Börsenpreises an die Börse gegangen. Man sollte ihn nicht überbewerten."

Der Duisburger Stahl- und Werkstoffhändler hatte seine von 15 bis 18 Euro reichende Preisspanne für die insgesamt angebotenen 18,5 Millionen Aktien nicht ausgereizt. Mit einem Emissionsvolumen von bis zu 296 Millionen Euro zählt KlöCo zu den größten Neuemissionen in Deutschland in diesem Jahr. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 750 Millionen Euro.

Der Löwenanteil des Emissionserlöses bei KlöCo geht an den Eigentümer Lindsay Goldberg & Bessemer (LGB), der nach dem Börsengang noch rund 60 Prozent an dem Traditionsunternehmen halten wird. Mit 104 Millionen Euro landet etwa ein Drittel der über die Börse eingesammelten Gelder auf dem Firmenkonto des 1906 gegründeten Stahlhändlers. Mit dem neuen Kapital will KlöCo einen Teil seiner Hochzinsanleihe über 260 Millionen Euro zurückzahlen.

tim/dpa-AFX/Reuters



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