Standorte Deutschland hat wettbewerbsfähigste Wirtschaft der Eurozone

Deutsche Topmanager kritisieren allzugern den Reformstau in der Bundesrepublik. Doch europäische Führungskräfte loben den eingeschlagenen Kurs: Einer Umfrage zufolge ist Deutschland jetzt sogar das wettbewerbsfähigste Land der Euro-Zone.


Düsseldorf - Im Ausland genießt die deutsche Wirtschaft einen besseren Ruf als daheim. Denn in der repräsentativen Umfrage unter 1175 Führungskräften aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz, die im Auftrag des "Handelsblatts" und der Unternehmensberatung Droege und Comp befragt wurden, sind es vor allem die Manager aus dem Ausland, die die größten Fortschritte ausmachen.

Während die deutschen Manager die Wettbewerbsfähigkeit ihres Standortes im Jahr 2006 selbst nur mit der Note 2,7 bewerteten, wird die Bundesrepublik aus gesamteuropäischer Sicht mit 2,5 benotet. Die Bewertung erfolgt dabei nach Art der Schulzensuren: "Eins" ist der beste Wert, "fünf" der schlechteste.

Industrieroboter: Besseres Image im Ausland
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Industrieroboter: Besseres Image im Ausland

Der Umfrage zufolge konnte das wirtschaftlich wieder erstarkte Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit erneut erheblich verbessern. Im Jahr 2005 lag die Durchschnittsnote bei 2,8 im Jahr 2004 betrug sie 2,9 im Jahr 2003 nur 3,4 - in nur vier Jahren hat sich Deutschland damit vom letzten Platz in der Rangliste der wettbewerbsfähigsten Länder der Euro-Zone auf Platz eins vorgearbeitet.

Die mit Abstand wettbewerbsfähigste Nation der Welt ist der Umfrage zufolge China mit einer Durchschnittsnote von 1,8 vor der Schweiz (2,4) und Deutschland (2,5). Deutschland habe allerdings den größten Sprung nach vorn gemacht.

Der Bundesbeauftragte für Auslandsinvestitionen, Klaus Mangold, bestätigte den Trend der Umfrage. Insgesamt habe sich im Ausland das Bild vom Standort Deutschland deutlich verbessert. "Das Land ist wettbewerbsfähiger geworden", sagte Mangold der "Saarbrücker Zeitung". Die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre habe dazu beigetragen, dass Deutschland "kein übermäßig teurer Standort mehr" sei. Internationale Investoren erwarteten jetzt jedoch, dass man nicht stehen bleibe: "Das gilt ganz besonders für die Themen Steuern und Lohnnebenkosten." Die Bundesregierung werde daran gemessen, wie ernsthaft weitere Reformen verfolgt und umgesetzt werden.

2008 Arbeitslosenquote wieder unter vier Millionen

Für die dynamische Entwicklung machte der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Michael Heise, die beharrliche Restrukturierung der deutschen Unternehmen verantwortlich. "Nach früheren Rezessionsphasen haben wir Restrukturierungen als Regierungskrisen betrachtet, diesmal dagegen handelt es sich nicht um eine kurzfristige Erscheinung", zitierte das "Handelsblatt" Heise.

Der Aufschwung könnte den Experten zufolge auch zu spürbaren Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt führen. In diesem Jahr könnte die Zahl der Erwerbslosen im Schnitt auf 4,14 Millionen zurückgehen, sagte der Konjunkturchef des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Joachim Scheide, dem "Hamburger Abendblatt". 2008 werde die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt mit 3,9 Millionen wahrscheinlich erstmals wieder unter die Vier-Millionen-Schwelle sinken. Das ifo-Institut kam zu ähnlichen Ergebnissen. Voraussetzung sei jedoch, dass die Lohnentwicklung moderat verlaufe, betonten die wirtschaftsnahen Institute.

44 Prozent der befragten Manager in den sechs Ländern führen die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auch auf den Wechsel der Bundesregierung im November 2005 zurück. Unter der neuen Regierung sei die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft "stark" gestiegen, meinen 8 Prozent, einen "geringfügig" förderlichen Effekt sehen 36 Prozent. Die Antwort der deutschen Manager: 4 Prozent konstatieren unter Bundeskanzlerin Angela Merkel einen starken, weitere 52 Prozent einen geringfügigen Anstieg der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

mik/dpa/AP



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