Standorte Jenoptik-Chef lehnt rasche Angleichung von Ost- an Westlöhne ab

Jenoptik-Chef Alexander von Witzleben hält niedrige Löhne nach wie vor für einen der wichtigsten Standortvorteile der wirtschaft in den neuen Bundesländern. Eine rasche Angleichung der Löhne in an das Westniveau hält er deshalb für unklug.


Leipzig - "Es wäre tödlich, das Ostniveau ganz schnell an das westliche anpassen zu wollen", sagte Witzleben der "Leipziger Volkszeitung". Sachsen und Thüringen seien im Vergleich zu einigen konkurrierenden Standorten in der Welt Niedriglohnstandorte. Und das werde noch einige Jahre so bleiben müssen.

Zu den Gründen für den derzeitigen Wirtschaftsaufschwung sagte Witzleben: "Was sich deutlich zeigt, insbesondere in Ostdeutschland, ist die deutliche Lohnzurückhaltung der vergangenen zehn Jahre. Im Vergleich mit Westeuropa haben wir in Deutschland Löhne, die um 30 bis 40 Prozent niedriger liegen." Jenoptik verhandle nächstes Jahr den Haustarifvertrag mit den Betriebsräten. Eine Annäherung an den Flächentarifvertrag werde es nicht geben. Er schaue sich aber die einzelnen Betriebe an. "Wer richtig viel verdient hat, kann auch eine höhere Lohnzulage erhalten. Bei den schlechteren fällt sie etwas geringer aus", sagte Witzleben weiter.

Sein Unternehmen sieht Witzleben für die Zukunft gerüstet. "2007 werden wir weiter wachsen. Wir haben uns rund zehn Prozent jährlich vorgenommen", betonte er. Jenoptik setze dabei auf organisches Wachstum, aber auch auf Zukäufe. "Das sind meistens kleinere Unternehmen oder Technologien, die uns fehlen. Große Akquisitionen haben wir nicht vor Augen", sagte Witzleben. Es gehe zudem darum, profitabler zu werden. Dabei werde es an der einen oder anderen Stelle Investitionen in Maschinen geben, aber auch Rationalisierungen. Insgesamt sollten jedoch mehrere hundert Leute eingestellt werden. "Am Standort Jena, wo heute knapp 1400 Mitarbeiter beschäftigt sind, benötigen wir bis 2011 etwa 500 neue", sagte Witzleben.

mik/ddp



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