Starbucks-Übervater Howard Schultz Mit Mokka zur ersten Milliarde

Es gibt ihn noch, den amerikanischen Traum. Niemand weiß das besser als Howard Schultz, der Chef der "Starbucks"-Cafés. Der Sohn einer einfachen Familie aus Brooklyn steht in diesem Jahr erstmals auf der Liste der Dollar-Milliardäre.


New York - Seine Kindheit hat Schultz nicht vergessen, die Erfolgsgeschichte seiner Firma bezeichnet er als "Hommage an meinen Vater". Der hatte sich bei seiner Arbeit als Fahrer für eine Windelfirma an einem kalten Tag im Oktober 1961 den Knöchel gebrochen. Ohne Krankenversicherung, mit drei kleinen Kindern, war die Familie von einem Tag auf den anderen ohne Einkünfte.

Chairman Schultz vor Starbucks (in Tokio): In 20 Jahren von sechs auf 12.000 Filialen
AFP

Chairman Schultz vor Starbucks (in Tokio): In 20 Jahren von sechs auf 12.000 Filialen

Der kleine Howard, damals acht Jahre alt, musste ans Telefon gehen und die Gläubiger abwimmeln. Angestellte ohne Krankenversicherung gibt es in Schultz' Firma denn auch nicht: Wer mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet, für den zahlt die Firma in die Krankenkasse ein. Und Optionsscheine bekommt er obendrein.

Doch vom armen Jungen aus Brooklyn bis zum reichen Unternehmer ist es ein langer Weg. Seine Begabung beim Football ermöglicht Howard 1971 den Eintritt in die Universität von North Michigan - eine Chance, die der junge Mann nicht ungenutzt lässt. Vier Jahre später hält er stolz das erste Universitätsdiplom seiner Familie in den Händen. Dann beginnt er als Kaufmann bei verschiedenen Firmen zu arbeiten, bei Xerox, beim schwedischen Haushaltswarenhersteller Hammarplast.

Als er 1981 einen Kunden in Seattle besucht, macht er die Erfahrung seines Lebens: Er trinkt eine Tasse guten Kaffee.

"Es war, als entdeckte ich einen neuen Kontinent. Mir wurde klar, dass der Kaffee, den ich bis dahin getrunken hatte, nichts als Spülwasser war", berichtet Schultz in seiner 1997 erschienenen Autobiographie. Der Kunde mit der aromatischen Tasse hieß damals schon Starbucks Chart zeigen – gegründet von einer kleinen Gruppe Intellektueller mit einem Faible für die braunen Bohnen. Schultz ist ganz verrückt danach, er setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um bei Starbucks zu arbeiten. Nach einem Jahr schafft er es endlich. Ohne Wimpernzucken lässt er dabei einen Job mit 75.000 Dollar Jahresgehalt, Dienstwagen und Spesenkonto hinter sich.

Er hat es nie bereut. Je länger er bei Starbucks arbeitet, desto begeisterter ist er von dem Produkt. Auf einer Reise nach Mailand 1983 entdeckt er die gesellige Atmosphäre in den italienischen Cafés - und will dieses Konzept unbedingt in die Neue Welt mitbringen. Doch es gibt ein Problem: Die Starbucks-Gründer haben keine Lust, Schultz' Expansionsplänen zu folgen. Was dann folgt, könnte aus einem Hollywood-Film stammen: Schultz gründet seine eigene Firma, "Il Gironale", und ein Jahr später ist er erfolgreich genug, um Starbucks aufzukaufen.

Das ist 20 Jahre her - damals gab es sechs Starbucks-Filialen. Fünf Jahre später folgte der Börsengang der Firma, Cafés gab es da mittlerweile rund hundert. Heute sind es 12.000 weltweit mit 91.000 Angestellten. Der Wertzuwachs der Starbucks-Aktie in den vergangenen 14 Jahren liegt bei 6000 Prozent. Und Howard Schultz steht an 840. Stelle auf der Liste der reichsten Männer der Welt.

Antoine Agasse, AFP

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