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Energiekosten »Starke Schultern müssen mehr tragen«

Das Steuerpaket der FDP entlastet die Falschen, findet der Ökonom Jens Südekum, 46. Um gezielt einkommensschwachen Haushalten zu helfen, fordert er eine radikale Erhöhung der Gasumlage.
aus DER SPIEGEL 33/2022

SPIEGEL: Herr Südekum, der Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket laufen Ende August aus. Zugleich steigen die Energiepreise, und mit der Gasumlage kommt eine weitere Belastung auf Verbraucher zu. Was heißt das für die Konjunktur?

Südekum: Dass Tanken und Bahnfahrten teurer werden, haben viele Menschen längst einkalkuliert. Was mir Sorgen macht, ist der Gaspreis. Denn für viele können die Mehrkosten existenzbedrohend werden. Deswegen müssen gerade Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen vom Staat entlastet werden.

Aus: DER SPIEGEL 33/2022

Hilflos in der Heißzeit

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SPIEGEL: Finanzminister Christian Lindner verspricht Entlastungen in Milliardenhöhe, etwa indem der Freibetrag bei der Einkommensteuer angehoben wird.

Südekum: Mit diesem Paket werden alle Einkommensbereiche entlastet, dafür ist jetzt der falsche Zeitpunkt. Menschen mit hohem Verdienst profitieren in absoluten Zahlen sogar am stärksten. Wer sehr wenig Geld verdient, dem helfen die Steuermaßnahmen nichts. Angesichts steigender Inflation brauchten wir eine Umverteilung von oben nach unten, nicht umgekehrt. Die hohen Gaspreise müssten gerade von den Besserverdienenden getragen werden.

SPIEGEL: Was schlagen Sie vor?

Südekum: Wir müssen uns von der Idee verabschieden, dass der Staat alle Menschen von den gestiegenen Energiepreisen entlasten kann. Starke Schultern müssen mehr tragen, indem man Einkommen umverteilt. Möglich wäre das etwa mit direk- ten Transfers an Menschen bis zu einem bestimmten Einkommen.

SPIEGEL: Für solche Geschenke fehle das Geld, heißt es bei der FDP.

Südekum: Für schlechte Entlastungspolitik scheint offenbar Geld da zu sein. Also muss es auch möglich sein, die richtige Politik zu finanzieren. Dafür gäbe es auch einen einfachen Weg. Ich bin dafür, dass wir die Gasumlage noch viel weiter erhöhen.

SPIEGEL: Wie bitte?

Südekum: Wenn die Gasumlage bei 15 Cent läge, würde der Staat ein enormes Aufkommen generieren. Damit könnten Menschen mit kleinen Einkommen gezielt unterstützt werden, sie verlieren unter dem Strich also nicht. Letztlich wäre das eine Steuer auf den Gasverbrauch der reichen Haushalte.

mic
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