Statistik Fünf Millionen Menschen in Deutschland auf Jobsuche

Der Schein trügt gewaltig: 3,5 Millionen Menschen sind offiziell erwerbslos. Doch in Wahrheit sind fünf Millionen auf Jobsuche, räumt die Bundesagentur für Arbeit ein. Das Ifo-Institut warnt jetzt davor, dass die Statistik vor der Bundestagswahl noch zusätzlich geschönt wird.


Stellenangebote der Arbeitsagentur Dresden: Statistischer Trick
DDP

Stellenangebote der Arbeitsagentur Dresden: Statistischer Trick

Berlin - Ein-Euro-Jobber, Arbeitssuchende oder Personen in Weiterbildungsmaßnahmen - sie alle suchen einen regulären Job, aber als arbeitslos gelten sie offiziell trotzdem nicht. "Wenn man alle Menschen zusammenzählt, die im Moment auf Arbeitssuche sind, kommt man auf eine Zahl in der Größenordnung von fünf Millionen", sagte der Sprecher der Bundesagentur für Arbeit (BA), John-Philipp Hammersen, am Dienstag der "Bild"-Zeitung.

Schuld daran ist die Zählweise der Bundesagentur. So fallen etwa Personen, die sich gerade weiterbilden oder sich mehrere Monate nicht mehr bei der für sie zuständigen Arbeitsagentur gemeldet haben, aus der offiziellen Statistik raus. Im Mai waren nach dieser Berechnung 3,458 Millionen Menschen erwerbslos - und damit sogar trotz der schweren Wirtschaftskrise 127.000 weniger als im Vormonat.

Doch damit nicht genug: Das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo warnt vor neuen politischen Eingriffe in die Job-Statistik im Vorfeld der Bundestagswahl. Bis zu knapp 300.000 Arbeitslose würden in den kommenden Monaten aus der Statistik fallen, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen der "Bild"-Zeitung.

Demnach greife bis zum Herbst ein neuer "statistischer Trick", der allein rund 200.000 Jobsuchende "unsichtbar" mache, die von privaten Vermittlern betreut würden. Neue Vermittlungsfälle dieser Art würden seit etwa einem Monat der Kategorie "Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung" zugerechnet, die nicht in die offizielle Arbeitslosenzahl einfließt.

Die Statistik werde zusätzlich verzerrt, dass ab 2009 die sogenannten "schwer vermittelbaren" Arbeitslosen, die älter als 58 Jahre sind und innerhalb eines Jahres kein Angebot für eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bekommen haben, aus der Statistik fallen. Das Gleiche gelte für Arbeitslose in Trainingsmaßnahmen, die ebenfalls in der Statistik fehlen. Die BA weist jedoch jede Verantwortung von sich. Man sei an gesetzliche Vorgaben gebunden und dürfe nicht anders zählen, sagte BA-Sprecher Hammersen.

yes/AP



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