Steigende Preise Experten rechnen mit dauerhaft höherer Inflation

Die Globalisierung legt eine Pause ein, die Energiepreise steigen: Volkswirte rechnen mit höheren Teuerungsraten in den kommenden Jahren – und fordern ein Ende der Niedrigzinspolitik.
Spritpreise auf der A8 bei Hochfelln (Archiv)

Spritpreise auf der A8 bei Hochfelln (Archiv)

Foto: Rolf Poss / imago images/Rolf Poss

Die Inflationsrate wird nach Einschätzung von Volkswirten auch in den kommenden Jahren hoch bleiben. Zwar erwarten sie laut einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur keine sprunghaften Anstiege, wie zuletzt. Dennoch mahnen die Experten die Europäische Zentralbank (EZB) zum Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes, um die Teuerung  nicht noch anzuheizen.

So erwartet die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen, Gertrud Traud, dass sich die Ausgaben für mehr Klimaschutz auch in steigenden Verbraucherpreisen zeigen werden. »Nicht nur steigende CO₂-Steuern, sondern auch neue Verfahren dürften zumindest temporär Konsumgüter verteuern.«

Zusätzlich seien die preisdämpfenden Effekte der Globalisierung in den vergangenen Jahren kleiner geworden. Viele Staaten schotteten die heimische Volkswirtschaft zunehmend ab. Angesichts gewachsener Inflationsrisiken sollte die EZB »diese Gefahren in ihre Überlegungen aufnehmen und den Expansionsgrad ihrer Geldpolitik reduzieren«, so Traud.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte: Ob der aktuelle Anstieg der Inflation die Stabilität der Währungsunion gefährde, hänge entscheidend von der EZB ab. »Sie sollte den Kauf von Staatsanleihen endlich beenden, damit nicht weiter zu viel Geld in Umlauf kommt.«

Er gehe davon aus, dass man in »eine neue Phase« eintrete, bei der vom internationalen Umfeld eher »Preissteigerungstendenzen ausgehen als dämpfende Wirkungen«, so der ehemalige Chefvolkswirt von Bundesbank und EZB, Otmar Issing. Die Globalisierung werde ihr Tempo verlangsamen. »In dieser neuen Situation ist zu erwarten, dass wir eher wieder mit höheren Inflationsraten rechnen müssen. Entscheidend kommt es auf die Notenbanken an, dass diese rechtzeitig einen Preisanstieg bekämpfen und nicht aus den Ufern geraten lassen.«

Seit Jahren erwirbt die EZB in großem Stil Staatsanleihen und hält die Zinsen auf Rekordtief. Mittelfristig strebt die EZB für den Euroraum eine jährliche Teuerungsrate von zwei Prozent an – also mit ausreichend Abstand zur Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen aufschieben in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird.

sbo/dpa
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