Steigende Preise Opec warnt Westen vor Biosprit-Investitionen

Das Erdöl-Kartell Opec versucht den Westen unter Druck zu setzen: Sollten die Staaten weiter auf Biotreibstoffe setzen, könne die Opec weniger in ihre Ölanlagen investieren. Die Ölpreise würden dann "durch die Decke" gehen, warnt der Generalsekretär.


London/Hamburg – Die Bemühungen der Industrienationen zur Entwicklung von Biokraftstoffen könnten die Ölpreise erheblich ansteigen lassen, sagte Opec-Generalsekretär Abdallah el-Badri laut "Financial Times". Die Opec erwäge, als Reaktion auf drohende Nachfrageeinbußen die Investitionen in neue Produktionsanlagen zu kürzen, heißt es in dem Bericht.

Öl-Förderanlage (im Opec-Land Venezuela): Angst vor der Bio-Konkurrenz
DPA

Öl-Förderanlage (im Opec-Land Venezuela): Angst vor der Bio-Konkurrenz

Für die westlichen Staaten könnte das kritisch werden, deutete Badri laut "FT" an. Es werde dann weniger Erdöl geben, die Menge an Biokraftstoffen wie Bioethanol werde aber bei weitem noch nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken. Die Ölpreise könnten dann "durch die Decke" gehen.

Die Opec hat sich schon mehrfach kritisch über Biokraftstoffe geäußert. Die Drohung ihres Generalsekretärs ist ein erstes deutliches Indiz dafür, dass das Kartell seine Interessen notfalls mit Taten verteidigen könnte.

Noch ist die Menge an Biokraftstoff, die pro Jahr weltweit produziert wird, im Vergleich zu Kraftstoffen aus fossilen Energieträgern verschwindend gering. 2005 entsprach die Menge der Biotreibstoffe nur einem Prozent der weltweit für den Straßentransport genutzten Kraftstoffe. Westliche Regierungen wie die von George W. Bush in den USA haben aber angekündigt, den Verbrauch von Biokraftstoffen kräftig zu steigern. Biokraftstoffe der ersten Generation werden aus Nahrungsmitteln wie Zucker und Mais gewonnen.

Der Preis für Opec-Rohöl ist erneut gestiegen. Nach Angaben des Opec-Sekretariats vom Mittwoch kostete ein Barrel (159 Liter) am Dienstag 66,18 US-Dollar - das waren 55 Cent mehr als am Montag. Die Opec berechnet den täglichen Durchschnittspreis auf der Basis von elf wichtigen Sorten des Kartells.

itz/dpa-AFX



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SaT 20.02.2007
1.
Ich denke die anderen Mittel sind bekannt: regenerative Energie, Atomstrom (hat aber bekanntlich auch so seine Nachteile), Bäume pflanzen. Aber das Thema ist so komplex wie das Klima selbst. So verstärken beispielsweise die Abgase von Flugzeugen den Treibhauseffekt, anderseits tragen die Kondensstreifen durch Verdunklung zur Abkühlung der Erde bei. Genauso verhält es sich mit Rußpartikel aus filterlosen Kraftwerken. Trotzdem wäre es sicher falsch darauf zu hoffen, dass die eine Umweltverschmutzung die andere aufhebt. Energiesparen und die Forschung auf Fusionskraftwerke halte ich für den besten Weg aus der Misere.
Michael82, 20.02.2007
2. Nutztierhaltung
Eine weitere Quelle der Treibhausgase ist die Landwirtschaft. Die "Abgase" der Tiere sind in keinem Fall zu unterschätzen. In diesem Zusammenhang habe ich mal von einem Forscherteam gelesen, das einen Impfstoff gegen bestimmte Gas erzeugende Bakterien entwickelte - mit dem Ergebnis, dass die entstehende Menge an Gas deutlich gesunken ist.
Skarrin, 20.02.2007
3. Mehr Energieeffizienz!
Energiesparen hört sich immer nach Verzichten an und ruft die neoliberalen Hetzer auf den Plan, die sich dann lauthals über die bösen grünen Lebensstilvorschreiber beklagen. Das richtige Mittel ist eine Steigerung der _Energieeffizienz_ in allen Bereichen, verbunden mit einem konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien. Ich kann dazu nur das Buch "Öko-Kapitalismus" von Hawken/Lovins empfehlen, mit sehr vielen interessanten Vorschlägen und Konzepten. Das australische Glühlampenverbot halte ich aber für sinnfreien Aktionismus - ich werde auch weiter in meiner Diele und Abstellkammer, wo die Lampen nur wenige Minuten am Tag in Betrieb sind, Glühbirnen verwenden. Zumindest bis es gleichwertige LED-Leuchten gibt. Gruß Skarrin
SaT 20.02.2007
4. eine unkonventionelle Idee
Noch eine eher unkonventionelle Idee: der weltweite CO2-Abbau geschieht in erster Linie durch Phytoplankton in den Weltmeeren. Die Idee ist nun Meere mit Eisensulphat zu düngen um deren Wachstum anzuregen. Hier gab es schon erfolgversprechende Experimente. Nur weiß man noch nicht genau was man dabei am anderen Ende kaputt macht. Solche Maßnahmen sind mit unkalkulierbaren Risiken verbunden, solange wir vom Ökosystem Erde noch so wenig Ahnung haben.
Alfons 11:45, 20.02.2007
5.
Nicht nur das Herumreisen zwischen Berlin und Bonn ist für das Klima kontraproduktiv. Das trifft auch für die monatliche Karavane zwischen Straßburg und Brüssel zu. Letzteres wurde von den Hinterbänklern von CDU und SPD in Bundestag und Europäischem Parlament bislang anscheinend übersehen.
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