Stellenabbau Deutsche Post steigt aus dem US-Geschäft aus

Die Deutsche Post will in ihrem US-Geschäft rund 14.900 Stellen abbauen. Das teilte das Unternehmen in Bonn mit. Der Jobabbau betrifft das seit Jahren defizitäre Geschäft mit Express-Sendungen auf dem inneramerikanischen Markt.

Bonn - Die Deutsche Post stellt das Express-Geschäft ihrer Sparte DHL innerhalb der USA Ende Januar ein. Dadurch fallen zusätzlich zu den 5400 Arbeitsplätzen, die seit Jahresbeginn abgebaut wurden, 9500 Stellen bei DHL-Express weg. Das teilte das Unternehmen am Montag in Bonn mit.

Post-Finanzvorstand John Allan erklärte, die Post habe beschlossen, "lieber jetzt als später die entsprechenden Entscheidungen zu fällen", um auf die konjunkturellen Probleme vorbereitet zu sein.

Die Post betonte, der Schritt sei wegen der anhaltenden Milliardenverluste erforderlich, bedeute aber nicht den kompletten Rückzug aus den USA. Für den internationalen Expressdienst in die USA und aus den USA sollen weiter bis zu 4000 Mitarbeiter bei DHL-Express arbeiten. Außerdem sind die etwa 25.000 Beschäftigten bei DHL-Logistik von den Einschnitten nicht betroffen. Die Restrukturierung wird die Post zusätzlich 1,9 Milliarden Dollar kosten, insgesamt sind es dann 3,9 Milliarden Dollar. Für das laufende Jahr werden aus dem US-Geschäft Verluste von 1,5 Milliarden Dollar erwartet. 2009 soll der Verlust höchstens 900 Millionen Dollar betragen.

Mit dem Rückzug verringern sich bei der Post die operativen Kosten bei DHL Express USA von derzeit 4,2 Milliarden Euro auf 770 Millionen Euro. Die Post schließt sämtliche Sortierzentren und reduziert die Anzahl der Niederlassungen von 412 auf 103.

Gerichtsurteil beschert Post satten Zuwachs beim Gewinn

Im dritten Quartal hatte der Bonner Konzern bereits wegen der lahmenden US-Konjunktur einen Rückgang des operativen Gewinns vor Einmaleffekten hinnehmen müssen. Das bereinigte Ebit sank um acht Prozent auf 429 Millionen Euro. Der Umsatz hingegen stieg auf 13,8 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 13,258 Milliarden Euro).

Beim Netto-Gewinn konnte die Post dagegen von einem Gerichtsurteil profitieren, das den Bund gezwungen hatte, eine Strafzahlung von rund einer Milliarde Euro aus einem EU-Beihilfeverfahren an den Konzern zurückzuzahlen. Der Gewinn stieg deshalb von 305 Millionen auf 805 Millionen Euro, er lag aber unter den Markterwartungen. Analysten hatten im Schnitt mit einem bereinigten Ebit von 433 Millionen Euro und einem Umsatz von 13,381 Milliarden Euro gerechnet.

Die Aktien der Deutschen Post   bauten nach Vorlage der Zahlen ihre Gewinne um 3,4 Prozent auf 9,68 Euro aus. Die Zahlen seien einem Händler zufolge "wie erwartet" ausgefallen. Der Markt reagiere erleichtert, dass "keine Bombe geplatzt" sei.

Wettbewerber der Post warfen dem Unternehmen angesichts der Verluste im US-Geschäft dagegen "Missmanagement auf Kosten der deutschen Steuerzahler und Briefkunden" vor. "Die Bürger in Deutschland müssen die Zeche für die US-Abenteuer der Post zahlen", sagte der Präsident des Arbeitgeberverbands Neue Brief- und Zustelldienste, Florian Gerster.

kaz/AP/dpa-AFX/Reuters/dpa

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