Stellenabbau Sparpläne treiben Daimler-Aktie auf Drei-Jahres-Hoch

DaimlerChrysler will den Sparkurs bei Mercedes verschärfen, in den deutschen Werken sind bis zu 8600 Stellen bedroht. Details der Sanierungspläne sind zwar noch unklar - die Börse applaudiert aber schon mal, die IG Metall zeigt sich "entsetzt".


Frankfurt am Main - Die Aktie des deutsch-amerikanischen Autobauers DaimlerChrysler Chart zeigen setzte sich am Vormittag zeitweise mit einem Plus von 3,16 Prozent an die Spitze im Dax Chart zeigen. Sie notierte bei 45,32 Euro - der höchste Stand seit 2002. Am späteren Vormittag gab sie Teile der Gewinne wieder ab.

"Das Kursplus liegt wohl an den Plänen zum Stellenabbau, die noch massiver als erwartet ausfallen dürften", sagte ein Händler in Frankfurt. Ähnlich äußerte sich ein anderer Marktteilnehmer: "Der in der Presse genannte Abbau von Stellen bei Mercedes wäre unerwartet hoch."

Mercedes-Produktion in Sindelfingen: "Job-Feuerwehr" geplant
DPA

Mercedes-Produktion in Sindelfingen: "Job-Feuerwehr" geplant

Bislang war immer von rund 5000 Stellen die Rede gewesen, die in Sindelfingen und Bremen abgebaut werden sollten. Diese Zahl muss nun offenkundig nach oben korrigiert werden. Man müsse von 8600 bedrohten Stellen ausgehen, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise. Auch laut "Stuttgarter Nachrichten" sind 8000 Stellen bedroht. DaimlerChrysler wollte zu den Berichten zunächst keine Stellungnahme abgeben.

Nach Informationen des Südwestrundfunks sind 80 Prozent des Stellenabbaus bei Mercedes in Deutschland vorgesehen. Dabei seien besonders die Standorte Sindelfingen und Bremen betroffen, hieß es in einem Beitrag am Morgen. Die Unternehmensberatung McKinsey hatte bereits vor gut einem Jahr einen Personalüberhang von rund 10.000 Stellen bei Mercedes-Benz ausgemacht. Bei der Mercedes Car Group mit dem Marken Mercedes-Benz, smart und Maybach sind derzeit in Deutschland 94.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Konzernspitze konferiert in den USA

Seit gestern tagt der Aufsichtsrat von DaimlerChrysler im amerikanischen Auburn Hills. Auch eine Vorstandssitzung ist vorgesehen. Die "Welt" berichtet, der künftige Konzernchef Dieter Zetsche wolle sich morgen im Werk Sindelfingen mit Führungskräften treffen, um Details der Sparpläne zu besprechen. Zetsche leitet bis auf weiteres die wichtigste Tochter Mercedes Car Group und übernimmt am 1. Januar die Konzernführung. Die Manager sollten ihm sagen, wie viele Stellen in ihren Bereichen sozialverträglich abgebaut werden könnten. Danach könnten die Pläne offiziell vorgestellt werden.

"Bild" zufolge will der Konzern auf eine Klausel der im Juli 2004 abgeschlossenen Beschäftigungssicherung zurückgreifen. Diese sehe vor, dass 3600 Mitarbeitern Altersteilzeitverträge angeboten werden können. Darüber hinaus sollten weitere rund 5000 Stellen an den betroffenen Standorten sozialverträglich abgebaut werden, zum Teil über Versetzungen an Standorte, an denen noch zusätzlicher Bedarf an Mitarbeitern bestehe.

Außerdem müssten 1400 weitere DaimlerChrysler-Mitarbeiter ihren gewohnten Stamm-Arbeitsplatz aufgeben, um künftig als eine Art "Job-Feuerwehr" je nach Auftragslage in anderen Werken eingesetzt zu werden.

Die IG Metall hat sich überrascht vom Ausmaß des möglichen Personalabbaus gezeigt. "Wir sind entsetzt", sagte der erste Bevollmächtigte der Gewerkschaft in der Hansestadt, Dieter Reinken. Die in der Öffentlichkeit erörterten Zahlen seien nicht akzeptabel und würden von den Arbeitnehmern auch nicht einfach hingenommen. "Wir erwarten genaue Informationen am Donnerstag auf einer Betriebsversammlung im Bremer Werk. Anschließend wird es Auseinandersetzungen über die Pläne der Konzernleitung geben", sagte Reinken. Er wies zugleich auf negative Folgen auch für Zulieferbetriebe hin.

Kündigungen bis 2012 ausgeschlossen

Die IG Metall nannte den erst 2004 geschlossenen Beschäftigungssicherungsvertrag als "klug und weitsichtig". Neben dem Verbot betriebsbedingter Kündigungen bis 2012 hat DaimlerChrysler auch zugesichert, in Bremen weiter zu investieren, ab 2007 das neue Modell der C-Klasse und später den geplanten kleinen Geländewagen an der Weser zu bauen.

Die Nachrichtenagentur dpa-AFX berichtet, der Stellenabbau werde zu "erheblichen Restrukturierungskosten" führen. Es sei zu erwarten, dass der Konzern eine Summe im dreistelligen Millionenbereich in der Bilanz zurückstellen müsse, meldet die Agentur unter Berufung auf unterrichtete Kreise. Bereits in den ersten beiden Quartalen hatte DaimlerChrysler für die Smart-Sanierung rund 1,1 Milliarden Euro an Sonderkosten verbucht und die ursprüngliche Gewinnerwartung für das laufende Jahr reduziert.



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