Steueraffäre BND-Informant verkaufte Daten auch an die USA

Er wollte wohl das große Geld machen: Als Heinrich Kieber dem BND Daten Tausender Steuersünder anbot, versuchte er, dieselben Informationen auch den USA und Großbritannien schmackhaft zu machen. SPIEGEL-Informationen zufolge griffen zumindest die Amerikaner zu.

Der ehemalige Angestellte der Liechtensteiner LGT-Bank, der dem Bundesnachrichtendienst DVDs mit Angaben über mutmaßliche Steuersünder verkaufte, hat die Daten offenbar auch an US-Behörden veräußert, berichtet der SPIEGEL. Außerdem hatte er das Material auch den Briten angeboten, die Verhandlungen aber abgebrochen, weil sie sich zu lange hinzogen.

Nach Angaben aus Liechtenstein haben US-amerikanische Steuerfahnder bereits im Sommer 2007 mit entsprechenden Ermittlungen begonnen. Seither sollen die Fahnder in rund 50 Fällen zugeschlagen haben.

Bei dem Informanten, der in Liechtenstein bereits 2004 im Zusammenhang mit einem Datendiebstahl bei der LGT-Bank verurteilt wurde, handelt es sich um den heute 42 Jahre alten Heinrich Kieber. Er wurde vom BND mit einer neuen Identität ausgestattet, nachdem er am 12. Juni 2007 den Wuppertaler Steuerfahndern persönlich mehrere DVDs übergeben hatte. Kieber hatte Zugang zu den Kundendaten bekommen, als die LGT-Bank ihn damit beauftragte, das Papierarchiv des Geldinstituts zu digitalisieren.

Vor der Übergabe hatten Kieber, der BND und die Wuppertaler Steuerfahndung rund eineinhalb Jahre lang verhandelt. Das den deutschen Behörden vorliegende Material besteht aus insgesamt 4527 Datensätzen über Stiftungen und Institutionen, von denen etwa 1400 deutschen Investoren gehören. Diese überprüfen die Steuerfahnder derzeit.

Rund 65 Prozent der Stiftungen existieren nach Angaben der Ermittler noch heute. Kieber hatte 2001 und 2002 Zugang zu sämtlichen Unterlagen der LGT Treuhand, weil er das Papierarchiv digitalisierte.

Die nordrhein-westfälischen Ermittler gehen auch dem Verdacht nach, ein Kurier der Bank LGT habe Bargeld nach Liechtenstein transportiert. Die LGT weist den Vorwurf zurück. Insgesamt verdächtigen die Steuerfahnder bis zu 20 Bankmitarbeiter, Stiftungsräte und Kundenbetreuer in Deutschland und Liechtenstein, die an Steuersparmodellen gearbeitet haben sollen.

mak

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