Steuerbelastung Infineon-Chef Schumacher droht mit Deutschlandflucht

Infineon-Chef Ulrich Schumacher fühlt sich durch die hohe Steuerbelastung in Deutschland gegenüber seinen Wettbewerbern benachteiligt. Er denkt laut über einen Standortwechsel von München ins Ausland nach.


Steuerbelastung ist Wettbewerbsnachteil: Infineon-Chef Schumacher
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Steuerbelastung ist Wettbewerbsnachteil: Infineon-Chef Schumacher

London - In Deutschland zahle das Unternehmen fast doppelt so viel Steuern wie manche Wettbewerber in anderen Ländern. "Das ist langfristig nicht effizient", sagte Schumacher am Freitag in London. Die Möglichkeit einer Standortverlagerung sei aber noch nicht geprüft worden.

Schumacher sagte weiter, Infineon könne und werde nicht akzeptieren, in Deutschland eine gewaltige Menge Geld mehr ausgeben zu müssen. Der Konzern baut allerdings gerade ein neues Firmengelände bei München. Um Kosten zu sparen, verlegte Infineon bereits seine Buchhaltung von München nach Portugal. Der Konzern fuhr im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr einen Rekordverlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,14 Milliarden Euro ein - trotz drastischer Sparanstrengungen von rund 2,5 Milliarden Euro.

Für die nächsten fünf Jahre verfolgt Infineon ehrgeizige Ziele, wie das Programm "Agenda 5-to-1" zeigt: Der sechstgrößte Chiphersteller der Welt will unter die Top vier der krisengeschüttelten Halbleiterbranche aufsteigen. Der Marktanteil soll bis 2007 auf sechs Prozent wachsen. Schumacher ging davon aus, dass Infineon in den nächsten Jahren 50 Prozent schneller wachsen werde als der Markt. Im Gegensatz zu häufig formulierten Schätzungen erwartete er, dass die Halbleiterbranche wieder Wachstumsraten von 40 Prozent erzielen könne. Die Situation bessere sich, sagte er.

Wie Schumacher weiter erläuterte, werden in Zukunft Partnerschaften und strategische Akquisitionen immer größere Bedeutung zukommen. Die teure Entwicklung neuer Technologien könne sich kein Unternehmen mehr in Eigenregie leisten. Mit globalen Partnerschaften lasse sich das finanzielle Risiko besser verteilen.

Infineon wird sich den Angaben zufolge künftig stärker auf die Wachstumsmärkte China, Japan und USA konzentrieren. In Asien werde eine regionale Zentrale in Schanghai errichtet. Bis 2007 soll die Zahl der Mitarbeiter auf 2.300 anwachsen. In China strebe man mit Kommunikations- und Speicherprodukten einen Marktanteil von zehn Prozent an, sagte Schumacher.

In Japan schaffe die wirtschaftliche Schwäche und die Dominanz lokaler Firmen in Zukunft neue Möglichkeit für ausländische Investoren. Schumachers Worten zufolge ist der US-Markt wegen seiner Größe und des zu erwartenden starken Wachstums in den kommenden Jahren für Infineon besonders attraktiv.

In den nächsten fünf Jahren will Infineon in allen Geschäftssparten unter die Top drei der Branche gelangen. Infineon ist neben seinem Kerngeschäft Speicherchips auch in den Bereichen Automobil- und Industrieelektronik, Mobil- und Festnetzkommunikation aktiv.

Schumacher wies darauf hin, dass derzeit kein Unternehmen billiger Chips produziere als Infineon. Als Beispiel nannte er das Werk in Dresden, das nur ein Jahr nach dem Start bereits kostendeckend arbeite. Der neue Fertigungsstandard auf 300-Millimeter-Wafern spare im Vergleich zur 200-Millimeter-Technik bis zu 30 Prozent an Produktionskosten. Wie Vorstandsmitglied Andreas von Zitzewitz sagte, hat Infineon dadurch einen Vorsprung vor dem Wettbewerb von vier bis fünf Jahren. Das Dresdner Werk soll bis zum Sommer 2003 seine volle Kapazität erreichen.



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