Steuerparadies Schweiz soll Briefkastenfirmen abschaffen

Der Druck auf die Schweiz steigt: Die EU drängt darauf, dass die Eidgenossen ihre Steuersparmodelle für Unternehmen streichen. Ohne Zugeständnisse will Brüssel Abkommen in anderen Bereichen blockieren. Die Schweiz zeigt sich kooperativ.


Bern - Die Schweiz gerät angesichts ihrer laxen Steuerpraxis immer stärker in die Kritik. Die EU fordert nun, dass das Land die Vorzugsbehandlung für Briefkastengesellschaften abschaffen soll, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ").

Finanzplatz Zürich: EU attackiert Schweizer Steuermodelle
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Finanzplatz Zürich: EU attackiert Schweizer Steuermodelle

Nach Schätzung der Brüsseler Behörde sind in der Schweiz rund 20.000 Steuerspargesellschaften angesiedelt. Über die Briefkastenfirmen können Unternehmen die in der EU erwirtschafteten Gewinne nahezu steuerfrei in die Schweiz transferieren. Dort fällt die Steuerlast deutlich niedriger aus als in den meisten anderen europäischen Ländern. Geschätzte 30 Milliarden Euro pro Jahr an Einnahmen gehen den EU-Staaten dadurch verloren.

Angesichts der Verluste drängt die EU nun auf eine Änderung der umstrittenen Briefkastenpraxis. In einem Bericht, den die EU-Außenminister jetzt einstimmig beschlossen haben, heißt es laut "SZ", man betrachte die Schweizer Regeln zur Besteuerung von Unternehmen "mit großer Sorge".

Offenbar will die EU bei anderen Themen wie den von der Schweiz gewünschten Agrarfreihandel Druck ausüben, um die Eidgenossen zum Einlenken zu bewegen. "Der EU-Rat wird bei der Bewertung des Interessenausgleichs beim Abschluss zusätzlicher Abkommen bedenken, dass parallele Fortschritte in allen Bereichen der Zusammenarbeit notwendig sind", heißt es in dem Bericht der Außenminister. Offenbar mit Erfolg: Noch diese Woche will die Schweizer Regierung eine Steuerreform präsentieren, die der EU-Kritik Rechnung trägt.

Die Schweiz und weitere Steueroasen stehen derzeit massiv in der Kritik. Ende Oktober hatten Deutschland und Frankreich von der OECD gefordert, die Schwarze Liste von Steuerparadiesen deutlich auszuweiten. Finanzminister Peer Steinbrück hatte die Schweiz mehrfach direkt attackiert und damit heftige Gegenreaktionen provoziert.

suc



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