Steueraffäre Zeuge soll angeblich Hoeneß entlasten

Im Prozess gegen Uli Hoeneß soll es einen bislang unbekannten Zeugen geben. Laut "Bild am Sonntag" handelt es sich dabei um einen Stuttgarter Finanzbeamten. Dieser soll im Kontakt zu einem Reporter gestanden haben, der Fragen zu einem Schweizer Konto stellte.

Bayern-Präsident Hoeneß: Prozess wegen Steuerhinterziehung
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Bayern-Präsident Hoeneß: Prozess wegen Steuerhinterziehung


Hamburg - Uli Hoeneß dürfte es schwergefallen sein, den 6:1-Triumph seines FC Bayern in Wolfsburg zu genießen. Denn ab Montag steht er in München wegen Steuerhinterziehung vor Gericht. Dann geht es um die Frage, ob seine Selbstanzeige aus dem Januar 2013 ihn vor einer Strafe schützen oder diese zumindest mildern kann.

Um die Wirksamkeit der Selbstanzeige zu belegen, soll die Verteidigung nun angeblich einen bislang unbekannten Zeugen präsentieren: Laut "Bild am Sonntag" soll ein Stuttgarter Finanzbeamter bezeugen, dass Hoeneß sich bereits selbst angezeigt hatte, als die Steuerhinterziehung noch nicht entdeckt war. Dies ist ein entscheidender Punkt, der beim Prozess geklärt werden soll.

Die Staatsanwaltschaft soll den Verdacht haben, dass Hoeneß sich erst selbst angezeigt hat, als er von Recherchen des "Stern" erfuhr. Ein Reporter des Magazins hatte zu einem geheimen Konto eines prominenten Deutschen bei der Schweizer Vontobel-Bank recherchiert. Just jener Bank also, bei der Hoeneß sein Konto hatte, auf dem unversteuerte Gewinne aus Börsengeschäften lagen (Erfahren Sie mehr zu den Hintergründen im Fall Hoeneß in unserem Multimediaspezial).

"Bild am Sonntag" zufolge rief der "Stern"-Reporter den Stuttgarter Finanzbeamten im Januar 2013 an. Dabei soll er den Verdacht geäußert haben, dass der FC Bayern Geld auf einem Schweizer Bankkonto bunkere. Der Name Hoeneß sei aber nicht gefallen. Der Beamte habe über das Telefonat einen Aktenvermerk verfasst, so die Zeitung weiter.

Details wie diese könnten am Ende mitentscheidend dafür sein, welche Strafe Hoeneß bekommt. Im schlimmsten Fall droht dem Bayern-Präsident eine Haftstrafe. Doch auch eine Bewährungsstrafe oder ein Freispruch sind möglich. Der Prozess vor dem Münchner Landgericht ist zunächst auf vier Tage angesetzt.

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Teamkollegen unter sich: Hoeneß (r.) und Gerd Müller 1973. Der heutige Bayern-Präsident wurde am 5. Januar 1952 in Ulm geboren. Als 18-Jähriger wechselte er zum FC Bayern. Dort gehörte er mit Müller, Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Co. zum Erfolgsteam, das in den Siebzigern Titel in Serie gewann.

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Damals entstanden in München und auch in der Nationalmannschaft Bande, die bis heute halten. Müller ist heute Co-Trainer der zweiten Mannschaft, Jupp Heynckes (r.) führte die Bayern vergangene Saison zum Triple aus Sieg in Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League.

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Unter Bundestrainer Helmut Schön debütierte Hoeneß (2.v.r.) 1972 in der Nationalmannschaft und traf gleich im ersten Spiel gegen Ungarn. Bereits einen Monat später erzielte er die frühe Führung im EM-Viertelfinale gegen England und wurde kurz darauf mit dem DFB-Team Europameister. 1973 nahm die Nationalmannschaft den Ohrwurm-Song auf: "Fußball ist unser Leben".

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1974 das Turnier im eigenen Land: Hier musste sich unter anderem der Australier James Mackay der Dynamik des Außenstürmers Hoeneß geschlagen geben. Beim 4:2 gegen Schweden traf Hoeneß zum Endstand.

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Nach dem gewonnenen WM-Finale gegen die Niederlande (2:1) feierte Hoeneß mit Beckenbauer den Titel. Es war der Höhepunkt einer kurzen Karriere, in der Hoeneß nahezu alle wichtigen Titel des Weltfußballs gewinnen konnte. Mit dem FC Bayern wurde er jeweils dreimal Deutscher Meister und Europapokalsieger der Landesmeister. Bereits im Alter von 27 Jahren musste er aber wegen eines Knorpelschadens im Knie seine Karriere beenden - und wechselte ins Management des FC Bayern.

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1982 überstand er nur knapp einen Flugzeugabsturz: Mit drei Freunden war Hoeneß zu einem Länderspiel nach Hannover geflogen, beim Anflug auf die Landeshauptstadt stürzte die Propellermaschine ab, der Bayern-Manager überlebte als Einziger. Als Hoeneß am nächsten Tag im Krankenhaus erwachte, fragte er: "Wie ist das Länderspiel ausgegangen?"

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Hoeneß professionalisierte den Verein und setzte auch bei seinen Trainern gern auf alte Freunde. Heynckes (3.v.r.) war erstmals von 1987 bis 1991 für die Mannschaft verantwortlich. Mit Kapitän Klaus Augenthaler (Mitte) feierten die Bayern-Bosse hier die Meisterschaft 1990.

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Heynckes und Augenthaler gehörten zum Bayern-Kosmos, den Hoeneß zusammenhielt. Neben aller Professionalität zeigte sich aber auch immer wieder das soziale Engagement des früheren Managers und heutigen Präsidenten. Als etwa Gerd Müller unter Alkoholsucht litt, war es Hoeneß, der dem ehemaligen Mitspieler wieder auf die Beine half und ihm einen Job beim Rekordmeister gab.

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Hoeneß gefiel sich auch in der Rolle des Gönners. So bot er dem FC St. Pauli ein Freundschaftsspiel an, um so den damals finanziell heftig angeschlagenen Hamburgern zu helfen. Dafür gab es vom damaligen St.-Pauli-Präsidenten Corny Littmann ein Retter-T-Shirt.

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Christoph Daum war über Jahre Hoeneߑ Intimfeind. Daum sollte 2000 deutscher Nationaltrainer werden. Doch Hoeneß machte Daums Kokainkonsum öffentlich, was zu heftigen Anfeindungen gegen den Bayern-Manager führte. Daum unterzog sich freiwillig einer Haarprobe mit den Worten: "Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe." Dummerweise bewies diese Haarprobe seinen Drogenmissbrauch, Hoeneß lag richtig.

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Ein inniger Freund von Hoeneß wurde der langjährige Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld. Von 1998 bis 2004 und von 2007 bis 2008 war er Trainer in München, verlor 1999 im denkwürdigen Champions-League-Finale gegen Manchester United - und gewann den Titel zwei Jahre später gegen den FC Valencia.

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Auf Hitzfeld folgte Felix Magath, der beim VfB Stuttgart sein Händchen für talentierte Jungprofis unter Beweis gestellt hatte. Bei den Bayern gelangen Magath zwei Doubles aus Meisterschaft und Pokal in Folge. Doch der Trainer und Hoeneß rieben sich aneinander. Nach einem schlechten Rückrundenauftakt 2007 hatte der damalige Manager genug von seinem Coach, Magath musste gehen.

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Hitzfeld gab sein Comeback in München. Er sprang ein und blieb länger als ein Jahr. Im Mai 2008 verabschiedete sich Hitzfeld endgültig vom FC Bayern - mit der Meisterschaft und vielen Tränen. Da musste auch Hoeneß weinen.

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Nach dem emotionalen Abschied folgte Hoeneߑ wohl größtes Experiment: die Verpflichtung von Jürgen Klinsmann. Der als Modernisierer und Reformer geholte Ex-Stürmer scheiterte und wurde im April 2009 nach nicht einmal einem Jahr gefeuert. "Bei Klinsmann haben wir viel Geld ausgegeben und wenig Erfolg gehabt", sagte Hoeneß später. Für den Rest der Saison übernahm Heynckes, der noch die Qualifikation für die Champions League schaffte.

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Es folgte der Neustart mit einem Niederländer: Louis van Gaal. Der führte die Bayern zum Sieg in Pokal und Meisterschaft sowie ins Finale der Champions League. Aber es prallten zwei gewaltige Egos aufeinander, van Gaals Zeit war bald abgelaufen. "Fachlich war er top. Dass er menschlich eine Katastrophe war, steht auf einem anderen Blatt", urteilte Hoeneß.

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Auf das holländische "Feierbiest" folgte wieder ein Mitglied der Bayern-Familie. Zum dritten Mal trat Heynckes die Trainerstelle beim FCB an - und stellte Hoeneß zufrieden. Heynckes habe die "kranke Seele" des Rekordmeisters geheilt, so der Präsident. Heynckes holte in seiner Abschiedssaison das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Im Sommer ging er in den Ruhestand.

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Die Steueraffäre wurde ausgerechnet im erfolgreichsten Jahr der Vereinsgeschichte öffentlich. 2013 holte der FC Bayern nämlich nicht nur das Triple, sondern zudem noch den europäischen Supercup und den Weltpokal. Hoeneߑ Auftritt bei der Jahreshauptversammlung im November wurde mit großer Spannung erwartet, die Affäre war seit einem halbem Jahr publik.

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Der Präsident hielt eine flammende Rede und wurde anschließend lautstark von den Mitgliedern gefeiert. Die "Uli, Uli"-Sprechchöre wollten kein Ende nehmen, was Hoeneß zu Tränen rührte. Wir, der FC Bayern München, sind eine Familie - das war die Botschaft an diesem Abend.

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Die Bayern-Familie wird Hoeneß vor Gericht nicht helfen können. Die Justiz entscheidet, ob der 62-Jährige wegen Steuerhinterziehung verurteilt wird und ob er womöglich ins Gefängnis muss.

cte



insgesamt 124 Beiträge
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krassi60 09.03.2014
1. Soso und wieso sagt man das nicht gleich :-)
Da fragt man sich schon ob der Hoeneß nicht doch gewisse Erinnerungslücken hat, wenn der ultimative Zeuge erst jetzt genannt wird. Das macht doch alles keinen Sinn.. und vorher das Verfahren schön hinauszögern.. Ein Schelm der Böses dabei denkt.
farid1979 09.03.2014
2.
Wieviel haben die dem wohl bezahlt, das er erstens kurz vor dem Prozess aus seinem Loch kommt, und zweitens diese Aussage macht? Ich hoffe, das Gericht ist nicht so blauäugig, und fällt auf diese Posse herein. Dem Herrn Hoeneß tun ein paar Monate Bau sicherlich ganz gut. Da hat er Zeit, mal über sein asoziales Verhalten nachzudenken.
elseppo 09.03.2014
3. Unschuldig
Wer erfolgreich den FC Bayern managet steht natürlich über dem Gesetz. Da lassen sich auch schnell Zeugen zur Entlastung organisieren.
kabian 09.03.2014
4. Was für ein Zufall
Kurz nachdem sich Herr Hoeneß selbst angezeigt hatte hatte das Finanzamt von seinem Steuerbetrug erfahren. Zufälle gibts, die mag man kaum glauben. ;-)
titoandres 09.03.2014
5. Ein Zeuge aus dem Nichts
Ach, wie überraschend. Ich freue mich schon jetzt, dass Uli H. nach seiner Freisprechung in die Talkshows geht und uns allen erklärt, wie die Welt ein besserer Ort wäre, wenn doch alle auf ihn hören würden. Wobei er Recht hat. Es ginge zumindest allen besser, wenn der Adidas - Chef für jeden bei finanziellen Engpässen einspringen würde.
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