Steuerrecht Würth will die Bundesrepublik verklagen

Der baden-württembergische Unternehmer und Kunstsammler Reinhold Würth wehrt sich gegen die Doppelbesteuerung seines Einkommens. Mit einer Klage gegen die Bundesrepublik will er den Fall jetzt klären.


Schraubenhändler Würth: "Da geht es ums Prinzip
DPA

Schraubenhändler Würth: "Da geht es ums Prinzip

Hamburg - Würth, der seit 1954 eine Schraubengroßhandlung besitzt, unterhält in der Schweiz eine Familienstiftung für die Ausbildung von Familienmitgliedern. Das Stiftungskapital beträgt 2,4 Millionen Euro. Auf die Erträge dieses Kapitals bezahlt Würth in der Schweiz 35 Prozent Steuern. Doch die Bundesrepublik verlangt auf die Schweizer Erträge ebenfalls Steuern, ohne die Schweizer Abgaben anzurechnen. "Dagegen werden wir jetzt klagen", sagt Würth in einem SPIEGEL-Gespräch. "Da geht es mir ums Prinzip. Es kann keine Doppelbesteuerung geben", so Würth.

Zudem beabsichtigt der Milliardär, seine Steuerbelastung auch anderweitig zu minimieren. So brachte Würth schon 1987 den Familienanteil seines Unternehmens in eine Stiftung ein, für die im Jahre 2017 erstmals Ersatzerbschaftsteuer fällig wird. Um das Stiftungskapital und somit die Steuerbelastung nicht weiter anschwellen zu lassen, will Würth ins Ausland ausweichen. "Wir überlegen, neu zuwachsende Unternehmen in einen Parallelkonzern unter dem Dach einer österreichischen Stiftung einzubringen. Die unterliegt nicht der deutschen Ersatzerbschaftsteuer", so Würth.

"Wir leben im Schlaraffenland

Trotz dieser Verlagerungsabsichten stellt der Unternehmer seinem Heimatland ein gutes Zeugnis aus. "Deutschland ist nach wie vor ein ganz toller Standort. Bis vor fünf, sechs Jahren hat Deutschland allein so viel Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet wie Frankreich und Spanien zusammen. Wir sind nach wie vor ein Gigant", so Würth. Die schlechte Stimmung im Land erklärt Würth mit der deutschen Tradition des Klagens. "In Wahrheit leben wir im Schlaraffenland."

Die Zahl von 4,7 Millionen Arbeitslosen nehme er deshalb auch "nicht so ernst", sagte der Unternehmer. Allein in diesem Jahr würden 17 Prozent des Sozialprodukts durch Schwarzarbeit erwirtschaftet. "Ein Drittel der arbeitslosen Menschen sind schlicht Systemknacker. Das sind Leute, die vom Staat bezahlt werden, nebenbei 500 Euro schwarz pro Woche verdienen und in Saus und Braus leben", so Würth. Generell fehle den Menschen jegliches Nationalgefühl und der Sinn für das Gemeinwohl. "Jeder ist bestrebt, das maximal Mögliche für sich herauszuholen - oft auf Kosten des Staates", sagt Würth.



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