Steuerskandal Anleger ziehen 100 Millionen Franken aus Liechtenstein ab

Die Steueraffäre trifft Liechtenstein härter als angenommen. Seit Mitte Februar haben die Anleger der fürstlichen LGT-Bank rund 100 Millionen Franken abgezogen. Das Institut selbst wiegelt ab: Bei der Summe handele es sich um "Peanuts".


Zürich/Vaduz - Bei Anlegern in Liechtenstein geht offenbar die Angst um: Sind ihre Daten ebenfalls den deutschen Steuerfahndern bekannt? Viele Bankkunden ziehen daraus jetzt die Konsequenz - und rufen ihr Geld aus dem Fürstentum ab.

Willkommens-Schild in Liechtenstein: "Es ist nicht Aufgabe der Bank, Steuererklärungen auszufüllen"
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Willkommens-Schild in Liechtenstein: "Es ist nicht Aufgabe der Bank, Steuererklärungen auszufüllen"

Allein aus der fürstlichen LGT-Bank sind seit Mitte Februar netto rund 100 Millionen Franken (63,5 Millionen Euro) abgeflossen. Das erklärte heute der Chef der Bank, Prinz Max von und zu Liechtenstein. Für das Institut sei der Mittelabfluss aber leicht zu verkraften: "Das ist nicht einmal ein Promille, eigentlich Peanuts", sagte der Prinz bei der Vorlage der Jahresbilanz. Insgesamt konnte die LGT ihren Gewinn im vergangenen Jahr um 41 Prozent steigern.

Scharf attackierte der Prinz die deutschen Steuerfahnder, die den Skandal vor rund zwei Wochen aufgedeckt hatten. Dass die Ermittler Kontodaten verwenden, die aus einem Diebstahl stammen, sei illegal.

Die LGT selbst fühlt sich nicht verantwortlich, wenn Kunden ihre Steuern hinterziehen. "Es ist nicht Aufgabe der Bank, Steuererklärungen auszufüllen", sagte Prinz Max.

Der Bankchef betonte übrigens, dass er seinen persönlichen Lebensmittelpunkt in Deutschland habe - und dort selbstverständlich seine Steuern zahle.

wal/Reuters/ddp/dpa/AP/AFP



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