Steuerstreit Bankkunden ziehen Geld aus Liechtenstein ab

Der Steuerstreit macht Liechtensteins Banken zu schaffen: Kunden haben mehrere Milliarden Euro aus dem Fürstentum abgezogen - und so die Gewinne der Institute einbrechen lassen. Der Chef der Fürstenbank hofft nun, dass andere Länder in den Mittelpunkt der Kritik rücken.


Vaduz - Bankkunden ziehen angesichts der Diskussionen um Steuern und Bankgeheimnis Geld aus Liechtenstein ab. Manchem Ausländer ist das kleine Fürstentum als Hort des Vermögens anscheinend nicht mehr sicher genug.

LGT-Chef Max von Liechtenstein: "Waren Prügelknabe der Politik"
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LGT-Chef Max von Liechtenstein: "Waren Prügelknabe der Politik"

Bei der im Besitz des Fürstenhauses stehenden LGT Group zogen Kunden nach Angaben vom Dienstag aus Konten und Depots in Liechtenstein im vergangenen Jahr 4,7 Milliarden Franken (rund drei Milliarden Euro) ab. Der Gewinn der Bank ist 2008 um 36 Prozent eingebrochen. Gründe waren die Finanzkrise, der Skandal um gestohlene Kundendaten sowie der Steuerstreit mit Deutschland und den USA.

Das Institut war zudem durch einen Datendiebstahl in die Schlagzeilen geraten, durch den unter anderem Ex-Postbank-Chef Klaus Zumwinkel enttarnt wurde. Er hatte Steuern in Höhe von fast einer Million Euro über eine Stiftung in Liechtenstein hinterzogen und wurde zu einer zweijährige Bewährungsstrafe verurteilt. Die LGT Group ist er inzwischen aus dem Treuhandgeschäft ausgestiegen.

Auch für 2009 geht die LGT Group nicht von einer Erholung aus und rechnet mit einem ähnlichen Ergebnis. Allerdings sieht sich die Bank im Steuerstreit vor allem mit Deutschland nun in einer besseren Position. "Liechtenstein war im letzten Jahr allein der Prügelknabe der Politik", sagte Vorstandschef Max von Liechtenstein. Nun habe sich die Diskussion international stark ausgeweitet, und es seien andere Länder mit Offshore-Banking stärker in den Blickpunkt gerückt.

Die LGT Group kam dabei noch besser davon als die halb so große Liechtensteiner VP Bank, bei der die Kunden netto 1,3 Milliarden Franken abzogen. Angesichts der laufenden Steuerdiskussionen sei es schwierig, Abflüsse durch Gelder neuer Kunden auszugleichen, hatte die Bank bei der Vorlage des Jahresabschlusses vor einer Woche erklärt.

Liechtenstein hat sich bereiterklärt, die OECD-Standards zur Steuerinformation, die auch Steuerhinterziehung betreffen, bei begründetem Verdacht zu erfüllen. Dem Fürstentum folgten Österreich, die Schweiz, Andorra und Monaco.

cte/Reuters/AP/dpa-AFX



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