Stiftung Warentest Discountware oft voller Schadstoffe

Der Kauf von Schnäppchenware bei Discountern lohnt sich selten, so lautet die ernüchternde Bilanz der Stiftung Warentest. Die Aktionsware sei häufig von schlechter Qualität - und enthalte "alarmierend oft" gesundheitsschädigende Stoffe, erklärte die Stiftung bei ihrer Jahreskonferenz.


Berlin - Wenn Discounter Computer und Digitalkameras zum Super-Sonderpreis anbieten, stehen die Kunden oft schon Stunden bevor der Laden öffnet Schlange. Doch die vermeintlichen Schnäppchen sind nur in drei von vier Fällen ihr Geld wert, erklärte die Stiftung Warentest jetzt auf ihrer Jahrespressekonferenz. "Die Qualität der Aktionsware wird überschätzt", erklärt Stiftungs-Vorstand Werner Brinkmann. Und vor allem: Die Angebote enthielten "alarmierend häufig" gesundheitsgefährdende Stoffe.

"Test"-Zeitschrift der Stiftung Warentest: Baumärkte scheren sich wenig um Urteil der Stiftung
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"Test"-Zeitschrift der Stiftung Warentest: Baumärkte scheren sich wenig um Urteil der Stiftung

Genauer gesagt handle es sich meistens um polyzyklische aromatische Kohlenstoffe (PAK), die Krebs auslösen oder das Erbgut schädigen können, erläuterte Brinkmann. Sie seien im vergangenen Jahr bei der Untersuchung von Aktionswaren von Lebensmitteldiscountern vor allem in den Griffen von Heimwerkergeräten und Werkzeugen im Sonderangebot gefunden worden.

PAK werden in Form von Teeröl den Kunststoffen für die Griffe beigemischt, um das Material geschmeidig zu machen. Sie seien gut fettlöslich und gelangten über die Haut in tieferes Körpergewebe, erklärte Brinkmann. Aber auch in Produkten für Kinder, wie etwa in Holzlaufrädern und Taschenlampen, wurde der Stoff in besorgniserregender Konzentration nachgewiesen.

Allerdings hätten die Discounter reagiert, nachdem die Stiftung immer mehr hochgradig PAK-belastete Aktionsangebote gefunden hatte, erklärte Brinkmann. Die Problemfälle seien dort inzwischen seltener geworden. Die Baumärkte erwiesen sich dagegen weniger offen für Kritik: Bei einem Test von 33 dort angebotenen Billigwerkzeugen im März dieses Jahres seien drei von vier Werkzeugen stark oder sehr stark mit PAK belastet gewesen.

Mieses Urteil zu Uschi-Glas-Creme gerechtfertigt

Die Discounter hätten dafür bei Untersuchungen des ethischen und sozialen Verhaltens von Unternehmen kaum mit der Stiftung Warentest kooperiert. Bei Tests der sogenannten Corporate Social Responsibility (CSR) seien sie "bisher immer die Verweigerer", erklärte Brinkmann. Im vergangenen Jahr hatte die Stiftung drei CSR-Test gemacht. Dabei war neben der Warenqualität untersucht worden, ob die Hersteller von Lachsfilets, Vollwaschmitteln sowie ferngesteuerter Spielzeugautos die Umwelt belasten oder Menschen in ihren Betrieben ausbeuten. Nicht alle Unternehmen hätten den Testern einen Besuch ihrer Produktionsstätten erlaubt, sagte Brinkmann. Doch auch in diesem Bereich habe die Kooperationsbereitschaft in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen.

Insgesamt machte die Stiftung vergangenes Jahr 215 Warentests; im Vorjahr waren es 234 gewesen. Der am meisten untersuchte Bereich war mit 38 Tests Informationstechnik und Telekommunikation. Produkten der Unterhaltungselektronik wie DVD- und MP3-Spielern widmeten sich 33 Untersuchungen. Weitere Testbereiche waren Haushaltsgeräte, Lebens- sowie Reinigungsmittel.

Für besondere Aufregung sorgten die Qualitätstester im vergangenen Jahr, als sie die WM-Stadien testeten und bei vielen mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen geißelten. Man sehe sich in der Kritik aber inzwischen bestärkt, erklärten die Wissenschaftler heute. Die Vorwürfe der Stadionbetreiber und des Organisationskomitees der Fußball-WM gegen die Untersuchung seien entkräftet worden, sagte Brinkmann. Außerdem hätten viele Betreiber auf die Kritik der Stiftung reagiert. "Im Berliner Olympiastadion wurden 29 ausfahrbare Gangways über den von uns kritisierten Graben installiert, um die Zuschauer im Notfall auch auf das Spielfeld evakuieren zu können." Auch bei anderen Stadien gebe es Hinweise, dass nachgebessert wurde.

In einem anderen öffentlichkeitswirksamen Streitfall bekamen die Warentester heute sogar vom Berliner Kammergericht Recht. Die Hersteller einer im Namen der Schauspielerin Uschi Glas vertriebenen Gesichtscreme hatten nach einem vernichtenden Urteil der Stiftung auf Schadensersatz geklagt. Die Klage war in erster Instanz abgelehnt worden. Den Widerspruch der Cremehersteller lehnten die Berliner Richter nun ebenfalls ab.

ase/AP/AFP/reuters



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