Stiftung Warentest Teurer Kaffee schmeckt nicht besser

Ein teurer Kaffee steigert nicht unbedingt den Trinkgenuss. Die Stiftung Warentest hat rund 30 Sorten untersucht - dabei wurde günstiger Kaffee vom Discounter ebenso mit "gut" bewertet wie etablierte Marken zum doppelten Preis. Drei Produkte erhielten das Urteil "modrig-muffig".

Berlin - Kaffee ist nicht gleich Kaffee - so viel steht fest. Das Unterscheidungskriterium ist jedoch nicht der Preis. Das hat die Stiftung Warentest ermittelt. Bei der Verkostung und Analyse von 31 gemahlenen Röstkaffees hätten sich zwei Drittel der Produkte unabhängig von ihrem Preis im Aroma nicht signifikant unterschieden, erklärte die Organisation am Donnerstag in Berlin.

Günstiger Kaffee vom Discounter sei ebenso mit "gut" bewertet worden wie etablierte Marken zum doppelten Preis. Drei Kaffeesorten hätten dagegen modrig-muffig gerochen und sowohl nach dem Aufguss in der Kolbenkanne als auch nach der Zubereitung in der Kaffeemaschine so geschmeckt.

Neben Aussehen, Geruch, Geschmack und Mundgefühl überprüften die Tester auch den Schadstoffgehalt. Dabei fielen vier Kaffees mit einem hohen Anteil an Acrylamid auf, das unter anderem beim Rösten von Lebensmitteln entstehen kann. In Tierversuchen hatte sich die Substanz als krebserregend und erbgutschädigend erwiesen. Der Gehalt des nach Tierversuchen ebenfalls zu Krebs führenden Aromastoffs Furan war dagegen bei keinem Kaffee schlechter als "befriedigend". Alle Produkte blieben weit unter der gesetzlich zulässigen Höchstmenge für das Schimmelpilzgift Ochratoxin A.

20 der 31 getesteten Röstkaffees erhielten das Gesamturteil "gut". Je vier Produkte schnitten mit "befriedigend" oder "ausreichend" ab, drei bewertete die Stiftung Warentest als "mangelhaft". Zwei Bio- und Fairtrade-Kaffees wurden mit "ausreichend" bewertet, weil sei bei der Zubereitung in der Kanne nach "feuchter Pappe" schmeckten.

Trotzdem plädierte die Stiftung Warentest für Bio-Kaffee. Wer beim Kaffeetrinken auch an die Bauern und die Umwelt denke, solle fair gehandelten oder Bio-Kaffee kaufen. Bei dessen Anbau, Röstung und Einkauf setzen die Unternehmen die höchsten Sozial- und Umweltstandards um, wie eine Vor-Ort-Untersuchung der Organisation ergab.

Unter den Anbietern von sieben Bio-Kaffeesorten waren fünf mit "starkem" sozialem und ökologischem Engagement, einer zeigte sich immerhin "engagiert". Mangels Auskünften zu einem weiteren Bio-Kaffee bescheinigten die Tester dessen Anbieter nur "bescheidene Ansätze".

Von zwölf Anbietern konventionellen Kaffees bewertete die Stiftung Warentest lediglich einen als "engagiert" und sprach bei den übrigen von "bescheidenen Ansätzen". So sei bei vielen schon die Herkunft des Kaffees unbekannt geblieben. Drei weitere Unternehmen verweigerten ganz die Auskunft. Im Test wurden der Umgang mit Mitarbeitern beim Kaffeeanbau, in der Rösterei und in der Unternehmenszentrale sowie Umweltstandards beim Anbau, Transparenz, Verbraucherinformation und die soziale und ökologische Unternehmenspolitik bewertet.

wal/AFP/AP
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