Stofftier-Krise WM-Löwe Goleo bringt Hersteller in Not

Die Freude über die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft ist groß, die Nachfrage nach dem WM-Maskottchen Goleo nicht. Der unerwartet geringe Absatz hat den Hersteller Berichten zufolge in eine existenzielle Krise gestürzt.

Hamburg - Mangelnde Nachfrage nach dem Stofftier hat den fränkischen Spielzeughersteller Nici offenbar in eine tiefe Krise gestürzt. Eine Unternehmenssprecherin wollte heute zu Berichten, wonach das Unternehmen derzeit einen Insolvenzantrag prüfe, keine Stellung nehmen. "Wir werden dazu am Dienstag eine Erklärung abgeben", erklärte die Sprecherin. Heute sei kein entsprechender Antrag gestellt worden, fügte sie hinzu.

Zuvor hatte es aus Firmenkreisen geheißen, Grund für eine finanzielle Schieflage sei vor allem das schwierige Geschäft mit dem offiziellen Fußball-Weltmeisterschafts-Maskottchen Goleo. "Das Unternehmen steckt in einer ernst zu nehmenden finanziellen Situation", sagte Marketingleiter Uwe Klimach heute der Nachrichtenagentur dpa. Die Firma aus dem nordbayerischen Altenkunstadt hatte für die von der amerikanischen Jim Henson Company entworfene Löwenfigur vergangenes Jahr von der Fifa eine europaweite Lizenz für Plüschartikel erworben.

Schon bei der Vorstellung des Maskottchens Goleo hatte es an Spott nicht gemangelt: "Wetten dass..?"-Showmaster mutmaßte, die Oma des struppigen Löwen sei wohl ein Lama gewesen. Zudem geriet das Tier in die Kritik, weil es hosenlos durch die Welt ging. Offenbar trifft das Tier auch nicht den Geschmack des Publikums, wie der schleppende Verkauf des Maskottchens mutmaßen lässt.

Der 1986 gegründete fränkische Plüschtier-Hersteller hatte in den vergangenen fünf Jahren seinen Umsatz mit erfolgreichen Eigenkreationen auf zuletzt 155,8 Millionen Euro mehr als verdoppelt und betreibt derzeit in Deutschland 33 firmeneigene Verkaufsfilialen. Weltweit beschäftigt das in Franken und China produzierende Unternehmen 530 Mitarbeiter.

Erste Erfolge feierte Nici mit seiner Plüschente Paula. Mitte der neunziger Jahre erzielte das Familienunternehmen den Durchbruch mit seinen aus Frottee und Leinen hergestellten Nici-Schafen. Zu zuletzt zweistelligen Wachstumsraten verhalfen dem Unternehmen der Verkauf von Accessoires wie Schlüsselanhänger, Tassen und Taschen.

In der Kritik steht jetzt offensichtlich besonders der Nici- Firmengründer und Vorstandsvorsitzende Ottmar Pfaff. Marketingleiter Klimach widersprach jedoch Berichten, der Aufsichtsrat habe Pfaff bereits seines Amtes als Vorstandschef enthoben. Es handle sich noch um ein "schwebendes Verfahren". Bis morgen wolle der Aufsichtsrat sowohl über Pfaffs Zukunft als auch über den Insolvenzantrag entscheiden.

kaz/AP/dpa