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02. September 2006, 18:44 Uhr

Strategieklausur

Ricke bleibt Telekom-Chef

Der wegen massiver Kundenverluste in die Kritik geratene Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke bleibt auf seinem Posten. Auf den Verlust von Marktanteilen reagiert der Konzern mit einer Neuordnung seiner Führungsstruktur.

Bonn - In einer Strategieklausur ordnete der Aufsichtsrat "entscheidende Schlüsselfunktionen" des Konzerns neu. Einige Ressorts wurden zentral zusammengefasst und entsprechend die Zuständigkeiten im Vorstand neu verteilt, teilte Ricke heute in Bonn mit. Er habe vom Aufsichtsrat für Erfolge seiner neuen Strategie keine Fristen gesetzt bekommen, betonte der Manager.

Kai-Uwe Ricke: Keine Angst um seinen Job
REUTERS

Kai-Uwe Ricke: Keine Angst um seinen Job

Der gesamte Vertrieb sowohl für Festnetz als auch für den Mobilfunk in Deutschland werden nach Angaben Rickes zusammengefasst und stehen künftig unter Leitung von T-Mobile-Chef René Obermann. Die Bereiche Netztechnik - weltweit konzernübergreifend für Festnetz und Mobilfunk - IT und Einkauf verantwortet ab jetzt der Vorstand der Geschäftskundensparte T-Systems, Lothar Pauly. Beide Manager bleiben außerdem auch für ihre bisherigen Sparten zuständig.

Ricke selbst übernimmt zusätzlich zu seinen bisherigen Zuständigkeiten auch die Verantwortung für Werbebudget, Werbeplanung und Mediakoordination in Deutschland. Damit werde dem Umstand Rechnung getragen, dass die Telekom ihren Marktauftritt stärker koordinieren und zugleich ihre Kostenstrukturen "radikal an die veränderten Marktbedingungen anpassen" müsse.

Ricke hatte zur Halbjahresbilanz am 10. August die Erwartungen für Umsatz und Gewinn der Telekom für das laufende Jahr zurücknehmen müssen. Der ehemalige Monopolist hatte allein in den ersten sechs Monaten des Jahres rund eine Million Festnetzkunden verloren. Ricke legte dem Aufsichtsrat nun ein Sieben-Punkte-Programm unter dem Titel "Telekom 2010" vor, mit dem er die Umsätze stabilisieren und die Gewinne verbessern will. Elemente des Programms sind untere anderem deutlich besserer Kundenservice und die Umstellung des gesamten Netzes auf die kostengünstigere IP-Technik.

Die Telekom solle "Europas Telekommunikationsunternehmen Nummer Eins sein - und zwar nicht nur wie heute beim Umsatz, sondern künftig auch beim Ertrag", sagte Ricke. Personalfragen seien in der Aufsichtsratssitzung "kein Thema" gewesen, erklärte Ricke. Er bange auch nicht um seinen Job. Über die im Herbst anstehende Verlängerung seines Vertrags als Vorstandsvorsitzender mache er sich "keine Gedanken".

Kritik kam von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di. "Wir befürchten, dass Konditionen und Arbeitsplätze angegriffen werden", sagte Bundesvorstand Lothar Schröder. "Die Effizienzmaßnahmen lassen uns den Planungen ablehnend gegenüberstehen." Die Telekom müsse ihrer gesellschaftlichen Verantwortung in Deutschland nachkommen.

Der Aufsichtsrat des Unternehmens hatte sich zwei Tage lang die Strategie Rickes erläutern lassen. Medienberichten zufolge hatte es in den vergangenen Wochen aus dem Kontrollgremium teils harsche Kritik am Kurs des Telekom-Chefs gegeben.

ler/AP/ddp

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