Strategiestreit Aufsichtsrat blamiert MobilCom-Chef Grenz

Die Aufsichtsräte der Telefonfirma MobilCom haben den Verkauf der Provider-Tochter freenet gestoppt - eine schwere Niederlage für den jungen Firmenchef Thorsten Grenz.


Thorsten Grenz: Hat die Nachfolgersuche schon begonnen?
DDP

Thorsten Grenz: Hat die Nachfolgersuche schon begonnen?

Büdelsdorf - "Es findet kein Notverkauf von freenet statt", zitierte die "Financial Times Deutschland" ein Aufsichtsratsmitglied von MobilComChart zeigen. Der Aufsichtsrat sei über das bisherige Vorgehen des Vorstandschefs verärgert. Grenz hatte öffentlich einen Verkauf angekündigt und für seinen Anteil einen Aufschlag von mehr als 50 Prozent des aktuellen Börsenwerts verlangt. "Dies war ungeschickt von Grenz", zitierte die Zeitung Aufsichtsratskreise. Der Vorstandschef soll sich hierfür mittlerweile beim Kontrollgremium entschuldigt haben.

Der Aufsichtsrat befürchte, dass der Vorstand am Markt keinen attraktiven Preis erzielen könne, schreibt übereinstimmend auch das "Handelsblatt". Eine überhastete Veräußerung sei außerdem nicht nötig, nachdem Anteilseigner France Télécom (FT) Chart zeigenvon MobilCom mehr als sieben Milliarden Euro Schulden übernommen hat.

Freenet ist nach T-Online Chart zeigen der zweitgrößte Internetdienstleister in Deutschland. MobilCom hält rund 76 Prozent der Anteile. Beide Unternehmen sind am Neuen Markt notiert. Freenet bestätigte dem Blatt zufolge bereits, dass MobilCom die Internettochter derzeit nicht verkaufen will. "Der Aufsichtsrat hat mir erklärt, dass die Veräußerung von freenet vom Tisch ist", sagte Vorstandschef Eckhard Spoerr.

Laut "Handelsblatt" wachsen im Aufsichtsrat die Bedenken gegen Grenz. Womöglich sei er als Vorstandschef nicht mehr tragbar. Es werde bereits offen darüber diskutiert, ihn durch einen erfahrenen Manager aus der Telekombranche zu ersetzen. Grenz hatte die Führung der Büdelsdorfer Firma im Spätsommer übernommen, als Firmengründer Gerhard Schmid seinen Chefposten nach Querelen mit FT räumen musste.



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