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GEWERKSCHAFTEN Streit über Arbeitszeit

aus DER SPIEGEL 43/1997

Für seine Kampagne zur weiteren Arbeitszeitverkürzung hat IG-Metall-Chef Klaus Zwickel innerhalb der internationalen Gewerkschaftsbewegung wenig Unterstützung erfahren. Bei der Weltkonferenz des Internationalen Metallgewerkschaftsbundes (IMB) vorige Woche in Tokio teilten allein die westeuropäische Arbeitnehmerorganisationen Zwickels Forderung, im Kampf gegen Arbeitslosigkeit auf Arbeitszeitverkürzung zu setzen. Ansonsten stieß der Deutsche auf Skepsis. Selbst wenn verkürzte Arbeitszeiten Beschäftigung schafften, so der US-Gewerkschafter Douglas Meyer, bleibe das Ziel »Lohnerhöhungen für unsere Mitglieder«. Auch die Japaner mochten Zwickels Ansichten nicht teilen. Gerade in Ländern mit kurzen Arbeitszeiten wie Deutschland oder Frankreich, argumentierte der japanische Metallchef Teruhito Tokumoto, sei die Arbeitslosigkeit vergleichsweise hoch. Japan halte daher weiter am Modell der lebenslangen Arbeitsplatzgarantie fest. Zwickel konterte, es reiche nicht aus, wenn die Japaner klagten, daß ihre Beschäftigten auf Urlaub verzichten, aber nichts dagegen unternähmen: »Wegschauen ist keine Lösung.« Am Ende der Veranstaltungen hatten die Kritiker ihr Ziel erreicht: Die in Tokio verabschiedete IMB-Resolution zur Arbeitszeitverkürzung klingt gut - und verpflichtet zu nichts.

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