Streit um Gaspreis Verhandlungen zwischen Russland und Ukraine gescheitert

Trotz des Zeitdrucks haben Russland und die Ukraine auch in der heutigen Verhandlungsrunde keine Einigung im Streit über eine Preissteigerung für Gaslieferungen gefunden. Wenn Russland seine Drohung in die Tat umsetzt, steht der Nachbar ab Sonntag ohne Gas da.


Moskau - Gespräche mit seinem ukrainischen Kollegen Iwan Platschkow seien ergebnislos beendet worden, sagte der russische Energieminister Viktor Christenko laut einem Bericht der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti. "Die einzige feststehende Zahl sind 110 Milliarden Kubikmeter Gas, die Russland 2006 durch das ukrainische Pipelinesystem nach Westeuropa pumpt", sagte Christenko nach Angaben der Agentur Itar-Tass. Bei Gasmengen für den Eigenbedarf der Ukraine wie auch bei den Gaspreisen habe es keinen Kompromiss gegeben.

Erdgasproduktion: Russland will keinen Kompromiss

Erdgasproduktion: Russland will keinen Kompromiss

Moskau hat damit gedroht, die Lieferungen in die Ukraine am Sonntag einzustellen, sollte Kiew nicht eine Vervierfachung des Preises akzeptieren. Platschkow hatte noch gestern Abend erklärt, eine Einigung sei möglich, wenn beide Seiten Kompromisse eingingen. Russland will von seiner Forderung aber offenbar nicht abrücken. Präsident Wladimir Putin schlug nach Medienberichten vor, der Ukraine übergangsweise ein Darlehen in Höhe von drei Milliarden Euro zu gewähren.

Für Deutschland ist eine Einigung von großer Bedeutung, denn Russland ist der wichtigste Erdgas-Lieferant, und die Leitungen für rund 80 Prozent der russischen Gasexporte nach Westeuropa laufen durch die Ukraine.

Trotz der Abhängigkeit von den russischen Gaslieferungen hat die deutsche Regierung Verständnis für die Position der Ukraine. Das Land habe ein Recht darauf, dass die Preise für die russischen Gaslieferungen schrittweise und nicht auf einen Schlag angehoben würden, sagte der deutsche Botschafter in der Ukraine, Dietmar Stüdemann, in einem Interview mit der ukrainischen Zeitung "Delo".

Die Ukraine hatte sich hingegen grundsätzlich bereit erklärt, mehr zu zahlen, aber um eine schrittweise Erhöhung der Preise gebeten. Stüdemann kritisierte das Verhalten Moskaus und nannte das Ultimatum nicht hinnehmbar. Gestern hatte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin den Streit als bilaterales Problem bezeichnet und eine Vermittlerrolle Deutschlands abgelehnt.



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