Streit um Rechte Wem gehört Marilyn?

Mehr als 40 Jahre nach dem Tod von Marilyn Monroe beschäftigen sich mehrere Gerichte in den USA derzeit mit der Frage: War die Schauspielerin Kalifornierin oder New Yorkerin? Tatsächlich geht es aber darum, wer heute kräftig an der schönen Blonden verdienen darf. 


Hamburg - Marilyn Monroes Posen und ihr Schmollmund sind noch heute Millionen wert: Für ihr Konterfei auf T-Shirts, Tassen und Schlüsselanhängern haben Anna Strasberg (66), Erbin der Vermarktungsrechte der Marke Marilyn Monroe, sowie ihr Geschäftspartner Mark Roesler von CMG Worldwide aus dem US-Bundesstaat Indiana, bisher mehr als 30 Millionen Dollar kassiert.

Den Familien der vier Fotografen, die die berühmtesten Bilder der blonden Diva gemacht haben, stößt das sauer auf. Sie fühlen sich benachteiligt - und behaupten, viel weniger verdient zu haben, obwohl sie die Urheberrechte an den jeweiligen Fotos besitzen, schreibt das "Wall Street Journal".

Monroe-Ausstellung: Kunstprodukt, das sich für viel Geld vermarkten lässt
DPA

Monroe-Ausstellung: Kunstprodukt, das sich für viel Geld vermarkten lässt

Mehrere Gerichte in Indiana, New York und Kalifornien befassen sich nun dem Bericht zufolge mit der Frage: War Marilyn Monroe zum Zeitpunkt ihres Todes New Yorkerin oder Kalifornierin? Von der Antwort hängt ab, wer künftig die Millionen aus der Vermarktung Monroes einstreichen darf.

Rechteerbin Anna Strasberg besteht darauf, dass Monroe Kalifornierin war. Die Familien der Fotografen erhoffen sich von den Prozessen, dass die Gerichte Monroe zur New Yorkerin erklären.

Während die Urheberrechte an den Fotos Bundessache sind, sind in den USA Vermarktungsrechte durch die Bundesstaaten geregelt. Manche Staaten, darunter New York, erkennen Vermarktungsrechte von toten Berühmtheiten nicht an. Entsprechend können solche Rechte nicht vererbt werden. Kalifornien dagegen erkennt solche Rechte an, die Erben über Jahrzehnte hinweg Profite sichern. Sollte Monroe also zur Kalifornierin erklärt werden, sind Strasbergs Einkünfte rechtens und ihr für die Zukunft gesichert. Andernfalls fließt das Geld künftig in die Taschen der Fotorechtebesitzer.

Werbung für Alkoholika, Kosmetik und Bekleidung

Marilyn Monroe wurde im Juni 1926 im kalifornischen Los Angeles geboren. Erst 1955, sieben Jahre vor ihrem Tod, zog sie nach New York, wo sie Lee Strasberg traf, Chef der Schauspielschule The Actors Studio. Er betreute sie bis zu ihrem Tod durch eine Drogenüberdosis um August 1962. Monroe, die keine Nachkommen hatte, vermachte den Großteil ihres Vermögens, damals auf 800.000 Dollar geschätzt, an Strasberg.

1967 lernte Strasberg die fast 40 Jahre jüngere Anna Mizrahi kennen. Die beiden heirateten. 1982 starb Strasberg, Anna Strasberg erbte den Monroe-Nachlass. Wenige Monate nach dem Tod ihres Mannes begann Strasberg mit dem Verkauf von Monroe-Lizenzen. Vor sechs Jahren gründete sie schließlich das Unternehmen Marilyn Monroe LLC, das sämtliche Vermarktungsrechte besitzt. Es verdient durch Boutiquen mit dem Namen Marilyn Monroe, durch Werbung für Alkoholika, Kosmetik und Bekleidung sowie durch Monroe-Puppen.

Strasberg-Familie zerstritten

Strasbergs Anwalt William Wegner betont gegenüber dem "Wall Street Journal", dass ein Großteil der Einkünfte für wohltätige Zwecke gespendet worden sei. "Es geht Anna Strasberg nicht ums Geld, sondern darum, Marilyns Image zu bewahren." Andere, die Strasberg kennen, nennen sie dagegen eine "gerissene Geschäftsfrau", die den Luxus liebe und an nichts anderes als ans Geldverdienen denke.

Die Fotografenfamilien haben ihrerseits die Bildrechte an Kalenderverlage, einen Handtaschenhersteller und sogar an ein Weingut verkauft. 2005 verklagten daraufhin Strasberg und CMG die Familien in Indianapolis, da diese angeblich die Vermarktungsrechte verletzten. Die Familien wiederum reichten Klage in New York und Kalifornien ein, mit der Begründung, Strasberg und CMG besäßen keine Vermarktungsrechte - Marilyn Monroe sei New Yorkerin und daher seien diese Rechte mit ihrem Tod erloschen.

Die Familie Strasberg hat in einer Sache schon jetzt verloren - sie ist mittlerweile heillos zerstritten. John Strasberg (64), Stiefsohn von Anna Strasberg, und seine verstorbene Schwester Susan standen Marilyn Monroe nach eigener Angabe sehr nah. Aber sie wurden nach der Hochzeit ihres Vaters mit Anna enterbt und haben nichts von den Monroe-Einkünften erhalten. "Ich glaube nicht einmal, dass ich etwas davon haben möchte", sagt John Strasberg. "Ich finde es nur sehr traurig, dass Leute, die Marilyn nie gekannt haben, weiter an ihr verdienen wollen."

Die Anwälte beider Seiten suchen weiter nach Beweisen. Dafür, ob Marilyn Monroe an ihrem Lebensende New Yorkerin war oder Kalifornierin.

kaz



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