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16. März 2006, 11:22 Uhr

Strenge Auflagen

Gericht genehmigt Berliner Großflughafen

Der umstrittene Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International darf trotz aller Anwohner-Proteste gebaut werden. Allerdings müssen strenge Auflagen eingehalten werden. "Eine Katastrophe", findet der Chef von Air Berlin - während SPD-Chef Platzeck jubelt.

Berlin/Leipzig - Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig lehnte mit seinem heutigen Entscheid Klagen von rund 4000 Airport-Nachbarn ab. Das zwei Milliarden Euro teure Investitionsprojekt kann aber nur realisiert werden, wenn der Nachtflugbetrieb eingeschränkt wird. Dies gelte für die "Kernzeit von null bis fünf Uhr", sagte der Vorsitzende Richter Stefan Paetow bei der Urteilsverkündung.

Großflughafen BBI (Computersimulation): Lärmschutz muss verbessert werden
DPA

Großflughafen BBI (Computersimulation): Lärmschutz muss verbessert werden

Nach der Entscheidung der Richter sollen zudem weitergehende Schallschutzmaßnahmen getroffen werden. Das Land Brandenburg muss außerdem neu über die Grenzziehung des Entschädigungsgebietes entscheiden.

Das Leipziger Urteil kann nicht mehr angefochten werden. Trotz der Auflagen hat der brandenburgische Ministerpräsident und SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck mit Erleichterung reagiert. "Dass ich mich freue, das können sie sich ja vorstellen", sagte er im baden-württembergischen Esslingen.Von der Entscheidung habe immerhin die Schaffung von 30.000 bis 40.000 Arbeitsplätzen abgehangen, so die wohl reichlich optimistische Einschätzung des SPD-Chefs.

Mit dem seit zehn Jahren geplanten Ausbau des ehemaligen DDR-Zentralflughafens Schönefeld soll ab Ende 2011 der drittgrößte deutsche Flughafen entstehen, mit einer Kapazität von zunächst 22 Millionen Fluggästen im Jahr. Bauherren sind die beiden Länder und der Bund. Die innerstädtischen Flughäfen Berlin-Tegel und Tempelhof sollen geschlossen werden.

Air Berlin: Das ist gut für Leipzig - aber schlimm für Berlin

Aus Sicht der zweitgrößten deutschen Fluglinie, Air Berlin, sind die gerichtlich verordneten Auflagen "eine Katastrophe". Sie könnten den neuen Flughafen wirtschaftlich insgesamt in Frage stellen und sich als echte Verschlechterung entpuppen, sagte der Firmenchef, Joachim Hunold der Nachrichtenagentur Reuters. Man müsse jetzt sehen, wie das Urteil im Detail umgesetzt werde. 

"Wenn 22 Uhr die Deadline für planmäßige Flüge sein soll, ist für uns ein wirtschaftlicher Flugverkehr in Berlin nicht mehr möglich", sagte Hunold. Selbst auf dem größten innerstädtischen Berliner Flughafen in Tegel seien derzeit bis 23 Uhr Landungen erlaubt, sagte Hunold. Danach könne man bisher nach Schönefeld ausweichen.

Künftig würde die vom Gericht angekündigten Einschränkungen für den dann einzigen Berliner Flughafen bedeuten, dass bei verspäteten Flügen nach Mitternacht Leipzig angeflogen werden müsse. "Das ist ein eindeutiges Urteil pro Leipzig", sagte Hunold, der sich seit Jahren für den Erhalt von Tegel einsetzt.

itz/ddp/dpa/AP/Reuters

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