Stresstest für Finanzbranche Geithner fordert schnellen Rettungsplan von maroden US-Banken

Ohne Konzept kein Kapital: US-Finanzminister Geithner erhöht nach dem Stresstest den Druck auf die Bankenbranche. Klamme Geldkonzerne sollen innerhalb weniger Wochen einen Sanierungsplan vorlegen. Die Ergebnisse des Tests will die US-Regierung am Donnerstag präsentieren.


Washington/New York/Düsseldorf - Die US-Regierung hat den größten Banken, die weitere Finanzhilfe benötigen, eine einmonatige Frist gesetzt: Bis zum 8. Juni müssen die Geldinstitute einen von den Aufsichtsbehörden genehmigten Plan vorlegen, wie sie an zusätzliches Kapital gelangen wollen. Das teilten US-Finanzminister Timothy Geithner, Notenbankchef Ben Bernanke und die Vorsitzende der staatlichen Einlagensicherung (FDIC), Sheila Bair, in einer am Mittwoch veröffentlichten gemeinsamen Erklärung mit.

US-Finanzminister Geithner: Keine Pleitegefahr bei Banken
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US-Finanzminister Geithner: Keine Pleitegefahr bei Banken

Darin werden auch die Bedingungen genannt, wie die 19 größten Banken der USA wieder aus dem von der Regierung aufgelegten 700 Milliarden Dollar schweren Rettungsprogramm aussteigen können. Zu diesem Zweck muss eine Bank nachweisen, dass sie sich auch ohne Hilfe des staatlichen Notprogramms frisches Kapital beschaffen kann.

Die Banken mussten sich auf Geheiß der US-Regierung in den vergangenen Wochen einem sogenannten Stresstest unterziehen. Die offiziellen Ergebnisse sollen Donnerstag vorgestellt werden, nachdem die Börsen geschlossen haben. Die Tests sind ein zentraler Teil in der Strategie der Regierung von Präsident Barack Obama, mit der der Finanzsektor stabilisiert werden soll. Sie sollen vor allem Aufschluss darüber bringen, was mit den Bank-Bilanzen passiert, falls sich die Wirtschaftslage in den USA weiter verschlimmert.

US-Banken brauchen 75 Milliarden Dollar frisches Kapital

Keiner der getesteten Banken droht nach Aussage von Geithner die Pleite. In einer Fernsehsendung sagte der Minister am Mittwoch, die große Mehrheit dieser 19 Institute werde in den kommenden sechs Monaten genügend privates Kapital beschaffen können.

Der Citigroup zufolge braucht die Branche rund 75 Milliarden Dollar frisches Geld, um gegen einen möglichen weiteren Wirtschaftsabschwung gewappnet zu sein. Den höchsten Kapitalbedarf gibt es dabei für die Bank of America Chart zeigen, die Insidern zufolge 34 Milliarden Dollar benötigt. Dies ist in etwa die dreifache Summe, die Experten dort erwartet hatten.

Die viertgrößte US-Bank Wells Fargo benötige 15 Milliarden Dollar, berichtete die Wirtschaftsnachrichten-Agentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise. Der Finanzdienstleister GMAC braucht demnach 11,5 Milliarden Dollar, die Citigroup Chart zeigen fünf Milliarden.

Experten schließen nicht aus, dass sich die Finanzkonzerne das Geld nun auch wieder per Kapitalerhöhung verschaffen können. Da sich die Kurse von Bank-Aktien in den vergangenen beiden Monaten zum Teil verfünffacht haben, ist die Ausgabe neuer Papiere nah am aktuellen Kurs wieder attraktiver geworden - eine Möglichkeit, die noch Anfang März illusorisch schien.

Regierungen denken über Stresstests nach

Auch andere Staaten denken über einen Stresstest nach US-Vorbild nach. So erwägt Frankreich einem Zeitungsbericht zufolge als eines der wenigen europäischen Länder eine vergleichbare Maßnahme für seine Banken. "Wir reden gerade über einen solchen Test", zitiert das "Handelsblatt" französische Regierungskreise. Die Überlegungen dazu befänden sich aber noch in einem sehr frühen Stadium.

In Deutschland hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) grundsätzlich keine Einwände gegen Stresstests, schreibt die Zeitung weiter. Im Finanzministerium hieß es jedoch, dass "derzeit nicht der richtige Zeitpunkt" für eine solche Analyse sei. "Ein Stresstest für Banken ist erst sinnvoll, wenn das akute Krisenmanagement abgeschlossen ist." Dazu gehöre nach Ansicht des Finanzministers beispielsweise die Umsetzung eines Bad-Bank-Modells zur Auslagerung von Risiko-Wertpapieren aus den Bankbilanzen.

Steinbrück beabsichtige daher nicht, die Einführung von Stresstests beim nächsten Treffen der EU-Finanzminister voranzutreiben. In anderen Ländern verweisen Aufsichtsbehörden darauf, dass im Zuge der Finanzkrise bereits mehrmals Härteprüfungen der Banken durchgeführt wurden. "Die Amerikaner reden darüber, wir machen das schon seit Jahren", sagte Alain Bichsel, Sprecher der Schweizer Finanzaufsicht Finma.

suc/AP/Reuters/dpa-AFX

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