Strom-Not in Deutschland Oberster Energieaufseher warnt vor Blackouts

Drastische Warnung von Bundesnetzagentur-Chef Kurth: Im Sommer drohen Deutschland Stromausfälle, die Kapazitäten könnten plötzlich zu Ende gehen. Der oberste deutsche Netz-Aufseher unterstützt damit die Energiekonzerne - die mit diesem Argument für Atom- und Kohlekraft werben.


Kohlekraftwerk: Warnungen vor mehrtägigen Stromausfällen
AP

Kohlekraftwerk: Warnungen vor mehrtägigen Stromausfällen

Bonn - Ausgerechnet die Bundesnetzagentur stellt sich auf die Seite der Stromversorger - und liefert ihnen neue Munition für den geforderten Bau weiterer Kraftwerke und den Ausstieg aus dem Atomausstieg. Behördenchef Matthias Kurth warnte vor Engpässen in der Versorgung, die es insbesondere in Sommermonaten geben könne.

Die Tatsache, dass Deutschland nach den Zahlen von 2006 wesentlich mehr Strom exportiert als importiert habe, "sollte uns nicht in einer trügerischen Sicherheit wiegen", sagte Kurth und warnte: "Jahresbilanzen sagen recht wenig darüber aus, wie sich die Situation in Belastungsphasen darstellt." Sollten Windkraftanlagen bei einer Flaute ausfallen und zugleich im Sommer konventionelle Kraftwerke wegen des eingeschränkten Zugangs zu Kühlwasser ihre Produktion drosseln, sehe die Lage in Europa schon erheblich kritischer aus.

Ähnlich argumentieren auch die Stromkonzerne. Vor kurzem hatten RWE-Chef Jürgen Großmann und E.on-Kollege Wulf Bernotat ebenfalls vor Stromausfällen gewarnt. Sie forderten mehr Genehmigungen zum Bau neuer Kraftwerke, um Engpässe zu vermeiden, und eine Rücknahme des Atomausstiegs.

In den vergangenen Monaten hatten mehrere Versorger in Deutschland den Bau neuer Kraftwerke verschoben oder ganz gestoppt. Ursache waren die explodierenden Kosten und der wachsende politische Widerstand. RWE hatte etwa im Herbst vergangenen Jahres den Bau eines großen Kohlekraftwerks im saarländischen Ensdorf wegen der Proteste der Bevölkerung aufgegeben.

ase/Reuters



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