Strom und Gas E.on greift Rivalen mit Kampfpreisen an

Mit einem neuen Tarif will der Energieversorger E.on bundesweit die Preise der lokalen Strom- und Gasversorger unterbieten. Doch Verbraucherschützer sind skeptisch - sie halten die Offerte für eine PR-Maßnahme.


Köln - Der E.on Chart zeigen-Konzern startete heute eine neue Gesellschaft "E wie Einfach Strom & Gas GmbH", deren Tarif nach eigenen Angaben jeweils einen Cent pro Kilowattstunde (kWh) unter dem Allgemeinen Preistarif des jeweiligen örtlichen Grundversorgers liegt. Beim Gas werde der Tarif grundsätzlich um zwei Cent pro Kubikmeter unterboten, versicherte E.on in Köln.

Gasherd: Das E.on-Angebot soll um fünf bis sechs Prozent unter den bisherigen Standardtarifen liegen.
DDP

Gasherd: Das E.on-Angebot soll um fünf bis sechs Prozent unter den bisherigen Standardtarifen liegen.

E.on nimmt dabei auch in Kauf, Kunden seiner angestammten Vertriebstöchter wie E.on Bayern oder E.on Hanse zu verlieren und möglicherweise die Stadtwerke als Großkunden zu verprellen. "Natürlich kann es sein, dass ein Kunde von E.on Bayern zu 'E wie Einfach' wechselt. Aber das ist mir doch lieber, als wenn er zu einem anderen Wettbewerber wechselt", sagte Karl-Michael Fuhr, Vorstand von E.on-Energie. E wie Einfach habe drei Jahre Zeit, um rentabel zu werden. Angaben zu erwarteten Kundenzahlen oder Marktanteilen machte die neue Gesellschaft nicht.

Lediglich eine "kosmetische Operation"

Ob das neue Angebot "zu mehr Wettbewerb führen wird, muss sich zeigen", sagte die Sprecherin des Bundeskartellamtes, Irene Sewczyk, in Bonn. "Aber für den Verbraucher ist es natürlich positiv, wenn er zwischen mehreren Gasanbietern auswählen kann und nicht nur auf den regionalen Monopolisten angewiesen ist." Kartellamtschef Ulf Böge hatte bei der Veröffentlichung des Gaspreisvergleichs zu Jahresbeginn kritisiert, der Wettbewerb auf dem Gasmarkt komme trotz der Liberalisierung "nur schleppend" in Gang.


Die großen SPIEGEL-ONLINE-Vergleichstabellen:

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) wertete den Vorstoß positiv. "Jetzt hat der Wettbewerb wirklich angefangen", sagte Energieexperte Holger Krawinkel. Es sei erfreulich, wenn Verbraucher künftig günstiger Strom und Gas beziehen könnten. "Das ist das Ergebnis der Diskussion um den unzureichenden Wettbewerb", fügte er hinzu. Zudem könne er sich vorstellen, dass es viele Nachahmer geben wird und der Wettbewerb an Intensität gewinnt.

Sehr viel kritischer bewertet der Bund der Energieverbraucher die Ankündigung. Selbst wenn die Preise der örtlichen Anbieter um wenige Cent unterboten würden, seien die Preise für Strom und Gas grundsätzlich noch "ganz deutlich überhöht", bemängelte der Vorsitzende Aribert Peters. Es handele sich lediglich um eine "kosmetische Operation", um den Druck aus der politischen Diskussion über mangelhaften Wettbewerb auf dem Strom- und Gasmarkt zu nehmen, ist sich Peters sicher. Wirklicher Wettbewerb entstehe durch das neue Angebot zudem nicht, da E.on an vielen örtlichen Anbietern maßgeblich beteiligt sei und sich nicht selbst Konkurrenz machen werde.

Auch RWE will Gas und Strom bundesweit anbieten

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte: "Es ist ein Schritt hin zur Normalisierung der Energiemärkte, wenn jetzt auch die großen Energieversorger außerhalb ihrer angestammten Märkte aktiv um Kunden werben." Ob die E.on-Ankündigung die überfällige Initialzündung für echten Wettbewerb beim Gas sei, bleibe aber abzuwarten.

Je nach örtlicher Situation werde das E.on-Angebot um fünf bis sechs Prozent unter den bisherigen Standardtarifen liegen, sagte die Geschäftsführerin von E wie Einfach, Marie-Luise Wolff. Für die Preise gebe es eine Obergrenze, die bei Strom zwei Jahre lang gelte und bei Gas ein Jahr. Sollten die lokalen Anbieter ihre Preise senken, werde auch der E.on-Tarif entsprechend gesenkt. Das Angebot richte sich an Haushaltskunden und mittelgroße Unternehmen mit einem Strom- und Gasverbrauch bis zu 100.000 Kilowattstunden pro Jahr. Bei Gas entsprechen 100.000 Kilowattstunden etwa einem Volumen von 10.000 Kubikmetern.

Der Rivale RWE Chart zeigen hatte am Dienstag erklärt, er habe grundsätzlich ebenfalls das Ziel, Gas und Strom bundesweit anzubieten. Dies könne über die jüngst zugekaufte Gesellschaft Eprimo geschehen.

tim/Reuters/AFP/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.