Stromausfall im Münsterland RWE richtet Notfallfonds ein

Nachdem die Kritik am Energieversorger RWE immer heftiger wurde, ruderte der Konzern zurück: Für die Opfer des Stromausfalls im Münsterland wurde ein Härtefallfonds über fünf Millionen Euro eingerichtet. Dem Energieversorger selbst entstand ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe.


Düsseldorf - "Uns ist bewusst, dass die durch die Naturkatastrophe ausgelösten Stromausfälle unsere Kunden zum Teil stark belastet haben", erklärte der Vorstandschef der RWE Energy, Berthold Bonekamp. Mit den zuständigen Bürgermeistern solle nun erörtert werden, wie die Hilfe möglichst rasch und unbürokratisch anlaufen könne. Der Hilfsfonds werde "unabhängig von jedweder rechtlichen Verpflichtung" eingerichtet, hieß es aus dem Unternehmen jedoch.

RWE-Monteure errichten einen Notstrommast: "Stark belasteten" Kunden soll jetzt geholfen werden
DPA

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RWE hatte bereits am Wochenende Haftungsansprüche seiner Kunden für die Folgen des Stromausfalls ausgeschlossen. Der Konzern trage keine Verantwortung für die Unterbrechung, die allein durch die extremen Wetterverhältnisse verursacht worden sei. Kritik von Verbraucherschützern, nach der der Energieriese nicht genug Geld in die Stromnetze stecke, wies das Unternehmen erneut zurück.

Nach dem Wintereinbruch in Nordrhein-Westfalen seien die Leitungen so stark vereist gewesen, dass sie zum Teil ein achtfach höheres Gewicht zu tragen gehabt hätten, als die gültigen DIN-Normen als Höchstgrenze verlangen. RWE gebe jährlich rund zwei Milliarden Euro für Neubau, Wartung und Instandhaltung der Stromnetze aus. Masten und Leitungen würden außerdem regelmäßig auf Stabilität geprüft.

Das Unternehmen war nach dem tagelangen Stromausfall heftig unter Druck geraten. Zuletzt hatte Landeswirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) ein kurzfristiges Treffen mit Bonekamp anberaumt und Rechenschaft über die Investitionen in die Stromnetze in der Region verlangt. Der energie- und wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Wilhelm Droste, erklärte zudem: "Das Unternehmen hat angesichts seines Monopolcharakters eine besondere Verpflichtung, den in Not geratenen und geschädigten Menschen zu helfen." Der Konzern habe auch eine moralische Verpflichtung. "Wir werden nicht akzeptieren, dass die Menschen im Münsterland alleine gelassen werden", kündigte der CDU-Politiker an.

Dem Unternehmen selbst ist nach ersten Schätzungen ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe entstanden. Dieser sei auf Grund höherer Gewalt entstanden und deshalb nicht versichert, erklärte RWE. Eine umfassende Schadens- und Ursachenanalyse werde nun angegangen. Diese solle nach Gesprächen mit der Bundesnetzagentur mit einem unabhängigen Gutachten vorangetrieben werden.

Vertreut gelegen Höfe noch immer ohne Strom

Zu den Stromausfällen war es gekommen, nachdem durch heftige Schneefälle Leitungen gerissen und Strommasten umgekippt waren. So mussten zeitweise bis zu 250.000 Menschen ohne Licht und Heizung auskommen. Auch heute, nach mittlerweile fünf Tagen, bleibt die Lage angespannt. Zwar sind weite Teile des Münsterlands wieder mit Strom ausgestattet. Noch am Abend sollten auch die restlichen Bezirke von Ochtrup wieder ans Netz gehen, hieß es beim zuständigen Krisenstab. Dennoch blieben aber etwa 2.000 Menschen weiter unversorgt. Es handele sich hauptsächlich um verstreut gelegene Höfe.

Viele Haushalte werden außerdem vorerst provisorisch mit Notstromaggregaten versorgt. Bis zur Wiederherstellung der normalen Versorgung in der gesamten Region könnten noch einige Monate vergehen, weil zahlreiche Masten repariert werden müssten, sagte ein RWE-Sprecher. Allerdings würden die Notstromaggregate innerhalb von einer Woche durch eine "stabile Netzkonstruktion" ersetzt.

Zwischen Metelen und Borghorst hätten sich die Spitzen zweier Strommaste verdreht, hieß es außerdem am heutigen Nachmittag. Unter Umständen müsse für mehr als 10.000 Einwohner der Strom erneut unterbrochen werden.



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