Wegen Massenkündigungen Staatsanwaltschaft leitet Vorermittlungen gegen Stromio und Gas.de ein

Die Energiediscounter des Geschäftsmanns Ömer Varol haben Hunderttausenden Kunden die Belieferung mit Strom und Gas aufgekündigt. Nun wird die Staatsanwaltschaft Düsseldorf aktiv.
Klingelschild am offiziellen Firmensitz von Stromio und Gas.de in Kaarst am Niederrhein

Klingelschild am offiziellen Firmensitz von Stromio und Gas.de in Kaarst am Niederrhein

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Henning Kaiser / picture alliance / dpa

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat im Zusammenhang mit den Kündigungen von Strom- und Gaskunden des Unternehmers Ömer Varol Vorermittlungen eingeleitet. Das bestätigte eine Sprecherin der Behörde dem SPIEGEL.

Es geht hierbei um den Stromversorger Stromio, den Gasdiscounter Gas.de und die Marke Grünwelt. Diese Firmen schickten im Dezember 2021 Kündigungsschreiben an Hunderttausende Kunden und stellten die Lieferungen ein. Ihr Geschäftsführer ist der 51-jährige Düsseldorfer Geschäftsmann Varol.

»Im Zusammenhang mit den Kündigungen durch Gas- und Stromanbieter« liege der Staatsanwaltschaft »eine Strafanzeige« vor, sagte die Sprecherin. Es werde nun der Anfangsverdacht geprüft. Zu einem möglichen Tatvorwurf machte die Staatsanwaltschaft keine Angabe.

Die drei offiziell in Kaarst ansässigen Energiediscounter hatten Hunderttausenden Verbrauchern in Deutschland einseitig die Belieferung mit Strom und Gas aufgekündigt – und sie gegen deren Willen in die oft viel teurere Grundversorgung überstellt.

Für die Kundinnen und Kunden kann dieser Zwangswechsel Mehrkosten von Hunderten, wenn nicht gar Tausenden Euro pro Jahr bedeuten. Das Bundesverbraucherschutzministerium von Steffi Lemke spricht von »Vertragsbruch«.

Varols Unternehmen begründeten den Massen-Rauswurf mit einer »nie dagewesenen Preisexplosion an den europäischen Energiehandelsplätzen«, die »nicht vorauszusehen gewesen« sei.

Die Bundesnetzagentur hingegen geht nach SPIEGEL-Informationen dem Verdacht nach, dass Varols Unternehmen in den vergangenen Wochen ihr Gas und ihren Strom im Großhandel zu Höchstpreisen verkauft und anschließend den Endkunden mit ihren viel günstigeren Verträgen gekündigt haben.

Wie SPIEGEL-Recherchen zeigen, haben die Stromio GmbH, zu der auch die Marke Grünwelt gehört, und die Gas.de Versorgungsgesellschaft mbH über die Jahre hinweg dreistellige Millionenprofite erwirtschaftet: allein zwischen 2014 und 2019 mehr als 380 Millionen Euro. Dabei hatten die beiden Unternehmen im Jahresdurchschnitt 2019 allenfalls 36 fest angestellte Mitarbeiter.

Alleiniger Eigentümer von Stromio und Gas.de ist die ebenfalls von Varol geleitete Callax Holding GmbH mit Sitz in Monheim am Rhein – deren Kapitalanteile laut Transparenzregister zu 100 Prozent Varol gehören.

Verbraucher können sich wehren

Allerdings hegen staatliche Behörden daran offenbar Zweifel. Laut einem Registerauszug vom 12. Januar 2022 läuft eine »Prüfung nach § 23a GwG«, dem Geldwäschegesetz. Der SPIEGEL hat Ömer Varol hierzu wiederholt schriftlich befragt. Bislang ohne Antwort.

Verbraucherschützer raten hinausgeworfenen Kundinnen und Kunden von Gas.de, Grünwelt und Stromio sich zu wehren – und eine Weiterbelieferung oder Schadensersatz bei den Anbietern einzufordern.  

Nachtrag der Redaktion vom 22.04.2022:

Ömer Varol ließ dem SPIEGEL am 27.01.2022 durch seine Medienanwälte mitteilen, dass die dem Transparenzregister vorliegenden Angaben vollständig und richtig seien. Nach Information des Transparenzregisters wurde die Prüfung nach § 23a GwG am 07.03.2022 abgeschlossen, und die Unstimmigkeitsmeldung wurde aufgehoben.