Strommarkt Blockade gegen europäische Konkurrenz

In den deutschen Strommarkt kommt zunehmend Bewegung. Immer mehr Energie-Konzerne versuchen bundesweit mit günstigen Tarifen ihrer Konkurrenz Industrie- und Privatkunden abzujagen. Nun mischt sich auch ein ausländischer Anbieter in den Preiskampf ein.

Hamburg - Wie viele Kunden der insgesamt 38 Millionen Privathaushalte in Deutschland ihren alten Monopolisten den Rücken kehren, ist ungewiss. Ein Resultat des neuen Wettbewerbs im liberalisierten Strommarkt steht aber fest: Die Strompreise werden für alle Haushalte deutlich sinken. Mit dem Stromanbieter Hansestrom GmbH, der zur Hälfte dem größten finnischen Energiekonzern Fortum gehört, mischt sich nun auch der erste europäische Anbieter in den Preiskampf ein.

Ob Deutschlands größter Energieversorger, die RWE Energie AG, oder die kleineren Anbieter Ares, Yello oder Braunschweiger Versorgungs-AG - alle Unternehmen locken bundesweit private Haushalte mit Tarifen, die bis zu 20 Prozent unter den bisher üblichen Strompreisen liegen. In anderen Ländern Europas ist Strom längst noch viel günstiger: In Finnland zahlen die Verbraucher nur 14 Pfennig pro Kilowattstunde. Dennoch kann selbst Hansestrom ihren Strom aus Finnland hier zu Lande nicht so billig anbieten, weil die Netzkosten wesentlich teurer seien: "Wir müssen allein für die Durchleitung, Konzession und Stromsteuer in Hamburg 20,03 Pfennig pro Kilowattstunde Fixkosten bezahlen", rechnet der Geschäftsführer Andreas Grigoleit vor.

Überhaupt sind viele der rund 900 Energieversorger und Stadtwerke in Deutschland derzeit für die neuen Wettbewerber noch das größte Hindernis im Markt. Obwohl alle Energieversorger gesetzlich seit der Liberalisierung des Strommarktes im April 1998 verpflichtet sind, auch Strom ihrer Konkurrenz zu den Kunden durchzuleiten, stellen sich noch zahlreiche Versorger quer und verweigern die Durchleitung, berichten Anbieter übereinstimmend. Da es bundesweit keine standardisierten Lastprofile und Durchleitungstarife gibt, müsse jeder Stromanbieter mit dem jeweiligen Gebietsversorger eigene Verträge aushandeln. "Einige versuchen Anträge durch Nicht-Reaktion zu verzögern oder zu blockieren. Da hilft nur dranbleiben und zähes Verhandeln", berichtet die Sprecherin von Ares, Oda Dridi-Dörffel. In Berlin laufe sogar bereits ein kartellrechtliches Verfahren gegen die Blockade-Politik des dortigen Versorgers Bewag.

Die Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) verteidigt das teilweise noch zögerliche Verhalten ihrer Mitglieder mit "technischen Gründen". Um die Stromversorgung in den Netzen sicher zu stellen, müssten präzise Leistungsprofile errechnet werden, sagte ein VDEW-Sprecher. Die Branche erarbeite gerade ein standardisiertes Lastprofil für Privatkunden, "das im Laufe des nächsten Jahres vorgelegt werden soll". Bis dahin müssten die Anbieter ihre Durchleitungswünsche mit den Netzbetreibern individuell verhandeln. Aber auch der VDEW erkennt das Problem: "Der Wettbewerb im Strommarkt ist bereits da, obwohl er technisch noch nicht gelöst ist."

Viele Stromversorger kritisieren die "Verzögerungs-Taktik" dagegen als "unfaire Verzerrung des Wettbewerbs". Während sich in Hamburg alle Wettbewerber bereits seit Jahresbeginn tummeln dürften, könnten die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) ihren bundesweiten Verkauf von Strom an Privatkunden noch nicht starten, da sie nicht in allen Gebieten einen Durchleitungsvertrag hätten, so der HEW-Sprecher Mario Spitzmüller. Auch der finnische Stromversorger Hansestrom muss sein Angebot zunächst auf Hamburg und Lübeck beschränken. "Mit den anderen Netzbetreibern konnten wir die Durchleitung noch nicht klären", erläutert Grigoleit.

Der größte deutsche Stromversorger RWE Energie AG löst das Problem durch großzügige Kulanz: "Unser Angebot gilt bundesweit für alle Kunden. Sollte die Durchleitung in einem Gebiet verweigert werden, erhalten die Kunden dort die Differenz zwischen ihrer Stromrechnung und unserem Preis gutgeschrieben", sagte der RWE-Sprecher Erik Walner. Zwar müsse RWE dabei zuzahlen, doch beschleunige dieses Vorgehen das Ziel: "Wir wollen, dass alle Kunden von den günstigen Strompreisen profitieren." Zudem wolle RWE dem Wettbewerb zum Durchbruch verhelfen. "Wenn der Druck im Markt auf die Versorger wächst, lassen sich auch Probleme schneller klären."

Alle Anbieter hoffen auf einen schnellen, freien Zugang in alle Netze. "Die Stromversorger müssen von ihrem alten Monopolgehabe wegkommen und verbraucherfreundlich werden", meint Ingo Bücher, Sprecher von Yello. "Die Bevölkerung ist aufgewacht und lässt sich die alte Gutsherrenart im Strommarkt künftig nicht mehr gefallen." Auch die Stromkonzerne schauen längst über den Tellerrand, weiß der RWE-Energie-Sprecher: "Strom ist nicht nur ein deutscher, sondern ein europäischer Markt. Auch unser Heimatmarkt heißt mittelfristig Europa."

Beate Kranz

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