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Angst vor Blackout: Casual Summer in Japan

Foto: Itsuo Inouye/ AP

Stromnot in Japan Regierung empfiehlt Anti-Schwitz-Look im Büro

Polohemd statt Schlips: Japans Regierung fürchtet Blackouts im Sommer - und will die stromfressenden Klimaanlagen runterdrehen. Deshalb der Aufruf an Büroangestellte: Lasst Euren Business-Anzug zu Hause!

Tokio - In Japans Büros herrscht normalerweise ein strenger Dresscode. Doch diesen Sommer sollen Büroarbeiter auf Schlips und Jackett verzichten: Die Regierung hat die Angestellten im Land aufgefordert, ihre Business-Kluft in den heißen Monaten gegen leichtere Kleidung einzutauschen. Im Gegenzug sollen Unternehmen und Behörden die Klimaanlagen herunterregeln, um Strom zu sparen.

Der Grund für den casual summer: Die Regierung fürchtet Stromengpässe wegen des hohen Stromverbrauchs der Klimaanlagen. Vor allem im Großraum der Wirtschaftsmetropole Tokio will Japan einen Blackout verhindern, dort wird es im Sommer besonders heiß.

Damit die Angestellten bei den von der Regierung vorgeschlagenen 28 Grad Raumtemperatur nicht zerfließen, wirbt das Umweltministerium für eine lockere Kleiderordnung im Büro. Polohemden, Hawaiihemden und Turnschuhe sollen nun erlaubt sein. Unter bestimmten Bedingungen könnten sogar Jeans und Sandalen getragen werden.

"Wir wollen unsere Lebensweise ändern."

Und die Regierungsbeamten gingen gleich mit gutem Beispiel voran und zeigten sich zum Start der Kampagne mit dem Titel "Super Cool Biz" kurzärmlig. In einer Modenschau stellten Models die Vorschläge des Umweltministeriums für leichte Bürobekleidung vor: Das Kariyushi, die japanische Variante des Hawaiihemds, und enge Dreiviertelhosen für den Herrn. Khakihosen oder leichte Polyesterkleider für die Dame.

"Es ist nicht nur eine kurzfristige Maßnahme, um den Sommer zu überstehen", sagte Umweltminister Ryu Matsumoto, "wir wollen damit unsere Lebensweise insgesamt verändern."

Die Kampagne dürfte auch eine gute Nachricht für die japanische Textilbranche sein. Seit der Katastrophe von Fukushima war der private Konsum stark eingebrochen. Textilketten wie Fast Retailing's Uniqlo bereiten sich bereits auf einen Ansturm auf Poloshirts und Khakihosen vor.

Japan hatte bereits 2005 mit der Kampagne "Cool Biz" versucht, den horrenden Energieverbrauch durch Klimaanlagen zu senken. Die drohende Stromknappheit brachte die Regierung nun dazu, der Idee mit "Super Cool Biz" noch einmal Nachdruck zu verleihen.

seh/AP
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