Leipziger Energiebörse Strompreis erhöht sich um 320 Prozent in einem Jahr

Nicht nur Gas und Heizöl verteuern sich: Auch die Strombörsen sind auf Rekordjagd. Verbraucher müssen noch höhere Strompreise fürchten. Doch es gibt auch Profiteure – sogar in Deutschland.
Strommasten stehen am neuen Umspannwerk neben dem Kohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine, Niedersachsen

Strommasten stehen am neuen Umspannwerk neben dem Kohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine, Niedersachsen

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Die stark steigenden Kosten für fossile Brennstoffe treiben die Preise an Europas Strommärkten immer weiter nach oben.

Am Freitag stieg der richtungsweisende Terminkontrakt für Grundlaststrom zur Lieferung im nächsten Jahr an der Leipziger Energiebörse EEX zeitweise auf 310 Euro je Megawattstunde. Das entspricht gut 31 Cent je Kilowattstunde (kWh) – also rund 320 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Damit kommen erhebliche Mehrkosten auf Deutschlands Stromverbraucher zu: auf die Industrie wie auch auf die Privathaushalte. Schon in den vergangenen Monaten hatten viele Stromversorger ihre Tarife erhöht. Laut dem Vergleichsportal Verivox kostete eine Kilowattstunde für einen Durchschnittshaushalt im Juni 39,68 Cent: gut ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor.

Aber der neuerliche Preisschub im Großhandel – Mitte Juni kostete die Kilowattstunde an der EEX noch 22 Cent, jetzt sind es neun Cent mehr – ist in bisherigen Tarifen nicht enthalten. Für eine Drei-Personen-Familie mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh würde allein dieser Aufschlag Mehrkosten von rund 315 Euro per annum bedeuten, zusätzliche Aufschläge etwa durch eine höhere Umsatzsteuerbelastung nicht einberechnet.

Die hochschießenden Großhandelspreise für Elektrizität überkompensieren sogar den Wegfall der EEG-Umlage zum 1. Juli. Diese betrug zuletzt noch 3,7 Cent je Kilowattstunde – und wird nun aus Steuermitteln bezahlt. Der Endkundentarif für Strom setzt sich aus dem Großhandelspreis, einer Marge für den Anbieter, einem Netzentgelt von durchschnittlich knapp acht Cent je kWh, sowie verschiedenen Abgaben und Steuern zusammen.

Hauptverantwortlich für die Strommarkthausse sind die extrem hohen Großhandelspreise für Erdgas und Steinkohle. Das Gas hat sich im europäischen Referenzmarkt TTF angesichts der russischen Lieferdrosselungen seit Mitte Juni nochmals um 75 Prozent verteuert. Kohle kostet rund 17 Prozent mehr als vor knapp drei Wochen.

Ökostromerzeuger machen Kasse

Obendrauf sind auch die Preise für Verschmutzungsrechte, die Kraftwerksbetreiber in der EU für jede emittierte Tonne Kohlendioxid (CO₂) vorweisen müssen, deutlich gestiegen.

Diese Emissionsrechte könnten sich demnächst weiter verteuern, sollten in Deutschland Gaskraftwerke eine Zeit lang durch Kohlemeiler ersetzt werden, wie es Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) plant. Denn bei der Verstromung von Kohle wird mehr CO₂ ausgestoßen.

»Die Energiekosten sind seit Ende 2021 regelrecht explodiert«, sagt Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie beim Vergleichsportal CHECK24. Ein vollständiger russischer Gaslieferstopp könne »die Situation noch verschärfen«.

Profiteure der Strompreishausse sind die Erzeuger von Ökostrom. Zwar wird derzeit, typisch für den Sommer, relativ wenig Windstrom produziert. Dennoch verdienen die Betreiber von Windparks wie auch von Solaranlagen gerade richtig viel Geld. Schließlich können diese Ökostromproduzenten ihre Elektrizität zurzeit auf dem Markt zu extrem hohen Preisen verkaufen.

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