Studie Jeder fünfte Beschäftigte arbeitet für einen Hungerlohn

In Deutschland arbeiten 6,5 Millionen Menschen im Billiglohnbereich. Stundenlöhne von sechs Euro brutto und weniger sind an der Tagesordnung. Nach OECD-Maßstäben müssten in Westdeutschland mindestens 9,62 Euro bezahlt werden.


Duisburg - Mehr als jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland arbeitet im Niedriglohnsektor. Insgesamt sind es 6,5 Millionen Menschen. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen hervor. Dabei beobachten die Forscher einen Trend zu sinkenden Durchschnittslöhnen und einer weiteren Lohnspreizung nach unten. "In Deutschland ist das Lohnspektrum in einem Ausmaß nach unten ausgefranst, das in anderen Ländern aufgrund von Mindestlöhnen nicht möglich wäre", kritisiert Claudia Weinkopf, stellvertretende geschäftsführende Direktorin des IAQ.

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Die IAQ-Berechnungen zeigen außerdem, dass die Durchschnittslöhne von Niedriglohnbeschäftigten in den vergangenen zwölf Jahren inflationsbereinigt nicht gestiegen und in Westdeutschland sogar nominal gesunken sind. Jeder dritte Niedriglohnbeschäftigte arbeitet danach für weniger als sechs Euro brutto, 1,2 Millionen Betroffene verdienten 2007 sogar weniger als fünf Euro.

Auch Vollzeitbeschäftigung schützt der Studie zufolge nicht vor niedrigen Stundenlöhnen: Immerhin knapp ein Viertel der Beschäftigten mit Stundenlöhnen unter fünf Euro verdienen trotz voller Arbeitszeit im Monat nicht mehr als rund 800 Euro brutto. Der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung hat sich dabei deutlich erhöht von 58,5 Prozent im Jahr 1995 auf 70,8 Prozent in 2007.

Unter Niedriglohn versteht das Institut auf der Grundlage von OECD-Definitionen 9,62 Euro im Westen und 7,18 Euro im Osten des Landes. 1995 lag der Anteil gering bezahlter Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung laut der Studie nur bei 58,5 Prozent und damit deutlich niedriger. Seit 1995 habe sich die absolute Zahl der Niedriglohnbeschäftigten um 2,1 Millionen Menschen erhöht. Damals lag ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung noch bei 14,7 Prozent. Heute sind es 21,5 Prozent.

cha/apd/dpa



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