Studie Krieg gegen den Terror heizt Rüstungswettlauf an

Auf rund 844 Milliarden Euro sind die weltweiten Rüstungsausgaben im vergangenen Jahr gestiegen. Angeheizt haben den Wettlauf die USA, die ihre Rüstungsausgaben in den vergangenen Jahren drastisch gesteigert hatten.


Präsentation des Leopard-Panzers: USA haben klare Vormachtstellung
AP

Präsentation des Leopard-Panzers: USA haben klare Vormachtstellung

Stockholm - Wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri (Stockholm International Peace Research Institute) heute in seinem neuen Jahrbuch zu Rüstung und Abrüstung angab, bestritten die Vereinigten Staaten fast die Hälfte aller Rüstungsausgaben allein. "Die USA besitzen heute nach allen nur denkbaren Zählweisen eine klare Vormachtstellung", sagte Sipri-Direktorin Alyson J. K. Bailes. Trotzdem habe das Land im Irak ohne institutionelle Unterstützung aber nur Begrenztes erreichen können und leide nun als Folge unter den gewaltigen Kosten.

Mit einem durchschnittlichen Zuwachs der Militärausgaben von global 2,4 Prozent pro Jahr seit 1995 und sechs Prozent seit 2002 ist inzwischen fast wieder das Rekord-Niveau aus dem Kalten Krieg erreicht. Den Anstieg errechnen die Forscher nicht auf Basis der jeweiligen Staatshaushalte, sondern legen die ermittelten Vorjahreswerte zu Grunde und bereinigen sie um die Inflationsrate. Nach den Sipri-Werten wurden auf dem Höhepunkt des Rüstungswettlaufs zwischen West und Ost 1987/88 noch sechs Prozent mehr Geld für militärische Zwecke ausgegeben als 2004.

Allein die zusätzlichen Aufwendungen der US-Regierung für ihren "Krieg gegen den Terror" übersteigen für die Zeit 2003-2005 mit 238 Milliarden Dollar alle Militärausgaben in Afrika, Lateinamerika und Asien (unter Einschluss Chinas, aber ohne Japan) zusammen.

In Europa sinken die Rüstungsausgaben

Mit einem Plus von 14,3 Prozent stiegen die Militärausgaben am kräftigsten in Südasien mit den aufstrebenden Mächten Indien und China, gefolgt von Nordafrika mit zwölf Prozent und Nordamerika mit 9,9 Prozent. Während sie hier von 446 auf 488 Milliarden Dollar kletterten, sanken die Rüstungsausgaben in Europa leicht von 256 auf 254 Milliarden Dollar.

Einen deutlichen Anstieg seit 1996 verzeichneten die Forscher auch in den Staaten des Nahen Ostens. Sorgen bereite dabei weniger der Zuwachs im Bereich der konventionellen Waffen, als vielmehr die stetig verstärkten Anstrengungen, Massenvernichtungswaffen zu entwickeln.

Insgesamt konnten die 100 weltweit führenden Rüstungshersteller ihre Umsätze allein zwischen 2002 und 2003 um 25 Prozent steigern. 38 dieser Unternehmen haben ihren Sitz in den USA und dominierten 2003 mit einem Marktanteil von 63,2 Prozent die internationale Rüstungsproduktion ebenfalls klar. Von den Gesamtverkäufen im Wert von 236 Milliarden Dollar (ohne China) entfielen 30,5 Prozent auf die 42 führenden europäischen Rüstungsunternehmen. Zu ihnen gehörten auch sechs russische Anbieter. Bei den Rüstungsexporten lag Russland im vergangenen Jahr mit 6,2 Milliarden Dollar erneut vor den USA mit 5,4 Milliarden Dollar.

Die meisten Kriege sind Bürgerkriege

Deutschland war viertgrößter Rüstungsexporteur der Welt mit 1,1 Milliarden Dollar. Als wichtigen Trend des letzten Jahres nannte Sipri die zunehmende Spezialisierung großer Unternehmen. Dies sei Folge der Privatisierung oder der Auslagerung von bisher staatlichen Militäraktivitäten.

Weltweit haben die Friedensforscher im vergangenen Jahr 19 Kriege gezählt, das ist einer weniger als 2003. Dabei stellten sie eine klare Dominanz von lang anhaltenden Konflikten fest. Lediglich der Krieg der USA gegen das Terrornetzwerk al-Qaida, der Konflikt im Irak sowie die jüngsten Auseinandersetzungen in Sudan seien vor weniger als zehn Jahren eingeleitet worden.

Kein einziger der von Sipri als Krieg (mit mehr als tausend Toten) definierten Konflikte wurde zwischen zwei oder mehr Staaten ausgefochten, sondern zwischen ethnischen Gruppen. Es sei paradox, dass gerade die lange Dauer von Kriegen wie etwa in Nepal oder Uganda dazu geführt habe, dass die Konflikte im vergangenen Jahr aus dem Blickfeld der Medien gerückt seien, schreiben die Forscher.



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