Studie Millionen Jobs durch weniger Bürokratie

Bürokratieabbau klingt nach Abbau von Dienststellen in Behörden. Doch statt weniger Arbeitsplätze soll das Reduzieren von Vorschriften und Bürokratie mehrere Millionen neue Stellen zur Folge haben.


Berlin - Mit mehr als vier Millionen neuen Jobs bis 2020 rechnet das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) als Ergebnis von weniger Regulierung. Das geht aus einer Studie hervor, die heute in Berlin vorgestellt wurde. "Die neuen Jobs führen aber nicht automatisch zum Abbau der Arbeitslosigkeit, sondern mobilisieren vor allem die stille Reserve an Erwerbstätigen", sagte IW-Direktor Michael Hüther. Allerdings könnte die Zahl der Langzeitarbeitslosen um bis zu eine Million gesenkt und damit nahezu halbiert werden.

Die Studie des IW basiert auf einem so genannten Regulierungsindex, der 5000 Einzeldaten aus 28 Industrieländern vergleicht. Auftraggeber der Untersuchung war die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die im Wesentlichen von den Arbeitgebern finanziert wird.

Der Studie zufolge liegt der Regulierungsindex in Deutschland fast doppelt so hoch wie in den angelsächsischen Ländern und deutlich höher als in den Ländern Skandinaviens. Da diese Länder im Durchschnitt eine bessere Beschäftigungssituation aufweisen als Deutschland, forderte der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, von der deutschen Politik "mehr Autonomie im Bildungswesen, mehr Flexibilität bei Lohnfindung und Kündigungsschutz in den Betrieben sowie weniger Bürokratie".

Aus der Studie geht allerdings auch hervor, dass die Erwerbstätigenquote auf dem freiesten Arbeitsmarkt, den USA, nur unwesentlich höher als auf dem am stärksten regulierten Arbeitsmarkt, Deutschland, ist.

kaz/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.