Stickstoff- und Treibhausgasbilanz Ökolandbau könnte Milliarden an Folgekosten einsparen

Biologische Landwirtschaft gilt als vergleichsweise ineffizient. Doch eine Studie der TU München rechnet vor: Durch die Umweltentlastung spare der Ökolandbau der Gesellschaft viel Geld.
Biobauer in Bakum, Niedersachsen

Biobauer in Bakum, Niedersachsen

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W. Rolfes / imago images/blickwinkel

Bioprodukte sind in der Herstellung meist wesentlich aufwendiger als in der konventionellen Variante: Dort sind die Erträge größer und wachsen zumeist schneller heran. Oft übersehen werden bei der Rechnung allerdings die mittelbaren Folgen der Bewirtschaftung: So werden in der konventionellen Landwirtschaft große Mengen an Stickstoff und fossiler Energieträger verbraucht, was wiederum Einfluss auf das Klima hat.

Die TU München hat diese Kosten nun in einer Studie untersucht, die sie im Rahmen der Grünen Woche in Berlin vorgestellt hat. Die Arbeit »Umwelt- und Klimawirkungen des ökologischen Landbaus« analysiert den Hochschulangaben zufolge Umwelt- und Klimawirkungen des ökologischen Landbaus im Vergleich zum konventionellen Landbau. Verglichen wurden dafür Untersuchungsergebnisse im deutschlandweiten Netzwerk von Pilotbetrieben – und zwar aus 40 Biohöfen sowie 40 konventionellen Höfen.

Wichtigstes Ergebnis: Auf Grundlage der besseren Stickstoff- und Treibhausgasbilanz betrage die Einsparung je Hektar 750 bis 800 Euro. Bei einer Gesamt-Ökoanbaufläche von 1,8 Millionen Hektar, wie es sie im Jahr 2021 gegeben habe, belaufe sich die Einsparung auf insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Bei einem Ökoflächenanteil von 30 Prozent, wie er für 2030 anvisiert sei, steige dieser Betrag sogar auf vier Milliarden Euro in Deutschland.

Wie begründen die Forschenden ihre Schlussfolgerung?

Ausschlaggebend für die Einsparungen sind mehrere Punkte. Die TU München führt unter anderem auf:

  • Nachhaltige Gestaltung der Stickstoffkreisläufe: Ökolandwirtschaft reduziere den Stickstoffeinsatz um etwa 100 Kilogramm je Hektar. Dies bedeute weniger Gase wie Ammoniak, Lachgas, Nitrat in der Umwelt – mit positiven Auswirkungen auf Biodiversität und Trinkwasserschutz.

  • Einsparung fossiler Energie und Erhöhung der Energieeffizienz: Durch den Verzicht auf Mineraldüngerstickstoff und chemische Pflanzenschutzmittel halbiere sich der Energieeinsatz von 14 auf sieben Gigajoule je Hektar. Auch der Verzicht auf Soja in der Tierfütterung sorge für verminderte Emissionen.

  • Humusaufbau und Bodenkohlenstoffbindung: Vielfältige Fruchtfolgen sorgen dafür, dass der Boden ertragsstabiler wird – und mehr Kohlendioxid aufnehmen kann.

Wie realistisch sind die Ziele?

Allerdings warnen die Forschenden in der Studie auch, dass das Ziel eines Ökoflächenanteils von 30 Prozent derzeit auf der Kippe stehe. Dies liege unter anderem an der derzeitigen komplizierten wirtschaftlichen Situation. »Aufgrund hoher Energiepreise und unsicherer wirtschaftlicher Entwicklung ist jedoch der Umsatz im Biofachhandel seit März 2022 eingebrochen«, heißt es dazu seitens der Autoren. Mit dem 30-Prozent-Ziel seien wichtige Umwelt- und Klimaschutzziele gefährdet.

Es folgt der Ruf nach Unterstützung der Biobranche. »In der derzeitigen wirtschaftlichen Situation ist es zunächst wichtig, die vorhandenen Ökoanbauflächen zu erhalten und den Absatz von Bioprodukten zu stärken und zu stabilisieren«, heißt es. Nach der Konsolidierung sollte die Ökoanbaufläche zügig weiter ausgebaut und das 30-Prozent-Ziel umgesetzt werden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, der Berechnung zufolge halbiere sich durch den Verzicht auf Mineraldüngerstickstoff und chemische Pflanzenschutzmittel der Energieeinsatz von 14 auf sieben Kilojoule je Hektar. Gemeint waren Gigajoule. Wir haben die Formulierung angepasst.

sol
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