Studie Online-Musikmarkt wächst rasant

Wie Schallplatten und Kassetten zählen längst auch CDs zu den alten Trägern von Musik. Heute "downloadet" man. Der Umsatz mit CDs bricht drastisch ein, Online-Musik boomt. Doch einer Studie zufolge dürfte es wohl noch ein paar Jahre dauern, bis sich dieser neue Markt rechnet.


Hamburg - Das Wachstum des Online-Musikmarktes wird sich in den nächsten Jahren voraussichtlich in rasantem Tempo fortsetzen. Das geht aus einer heute in Berlin veröffentlichten Studie der Medienforschungsinstitute Screen Digest und Goldmedia hervor. Demnach wird der Umsatz in dem Geschäft mit aus dem Internet heruntergeladener Musik in diesem Jahr in Westeuropa ein Volumen von 280 Millionen Euro erreichen. Er wird damit mehr als doppelt so hoch sein wie 2005, als er bei 121 Millionen Euro lag. Für das Jahr 2010 rechnen die Institute mit einem Marktvolumen von 1,1 Milliarden Euro.

Torwart Kahn beim Hören digitaler Musik: Zahl der MP3-Player-Besitzer wächst rasant
DPA

Torwart Kahn beim Hören digitaler Musik: Zahl der MP3-Player-Besitzer wächst rasant

Erst zu diesem Zeitpunkt werde das Online-Geschäft dann aber auch in der Lage sein, die drastischen Umsatzeinbußen der Musikindustrie beim CD-Verkauf zu kompensieren, heißt es in der Studie. Deutschland ist nach Großbritannien der zweitstärkste europäische Online-Musikmarkt. Für 2010 werden in Deutschland Umsätze von 274 Millionen Euro vorausgesagt.

Das Wachstum des Download-Geschäfts werde vor allem von der Zunahme der Breitbandanschlüsse und der wachsenden Popularität der tragbaren MP3-Player getrieben, stellt die Untersuchung fest. Der Anteil der Westeuropäer, die Musik mit einem solchen mobilen Abspielgerät hören, wuchs demnach seit 2004 von zwei auf sieben Prozent. Die Zahl der tragbaren Musik-Player werde von 29 Millionen zum Ende des vergangenen Jahres auf mehr als 80 Millionen im Jahr 2010 zunehmen. Am besten mit den tragbaren MP3-Spielern ausgerüstet sind der Studie zufolge die Niederlande, wo 11,9 Prozent der Bevölkerung ein solches Gerät besitzen. Dicht dahinter folgt Deutschland mit 10,4 Prozent.

Die Studie empfiehlt der Musikbranche, die veränderten Bedürfnisse der Konsumenten ernst zu nehmen, um ihre Umsatzeinbrüche der vergangenen Jahre auszugleichen. Die Misere lasse sich nicht allein mit der Piraterie erklären, zumal Daten des Internationalen Musikverbandes IFPI darauf hindeuteten, dass das illegale Kopieren abnehme. So sei die Zahl der verfügbaren Musiktitel auf illegalen Netzwerken zur Verbreitung von Musikdateien von 1,1 Milliarden im Jahr 2003 auf 885 Millionen im vergangenen Jahr gesunken. Die Industrie müsse das Potential des Online-Geschäfts stärker ausschöpfen, dann könne sie im Jahr 2010 "das Schlimmste überstanden haben".

kaz/AFP



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